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Vereinsleben

Der erste Elternabend: Ablauf, vier Aufgaben, zwei Konflikte

Eine Stunde, sechs Punkte in fester Reihenfolge, vier Aufgaben mit vier Namen und ein Link, der drei Elternabende spart: wie du Eltern früh auf deine Seite holst.

10 Min. Lesezeitvon

„Wie kriege ich die Eltern auf meine Seite?“ Indem du ihnen früh eine Aufgabe gibst, bevor sie sich eine suchen. Eltern wollen, dass ihre Kinder gut behandelt werden, hin und wieder eine Rückmeldung und dass die Kinder sich weiterentwickeln. Mehr steht auf dem Zettel meistens nicht, glaube ich.

Ein Elternteil ohne Aufgabe steht am Rand, sieht dir zu und hat irgendwann eine Meinung zu deiner Aufstellung. Mit dem Fahrdienstplan in der Hand hat es dienstags etwas anderes zu tun. Das ist Arbeitsteilung, und sie entscheidet darüber, ob du eine Saison mit Rückenwind bekommst oder eine mit Gegenwind.

Das ist die lange Fassung von Kapitel 14 aus meinem Leitfaden für Elterntrainer. Es geht um den ersten Elternabend, um die vier Aufgaben, die du an dem Abend vergibst, und um die zwei Gespräche, die im Laufe der Saison kommen.

Mit Kindern oder ohne

Ich persönlich habe noch nie einen Elternabend veranstaltet, weil ich sehr viel Zeit habe, mit den Eltern zu sprechen: Eltern, die jedes Training nebendran sitzen, kann man direkt einbinden, da braucht es keinen Termin. Wenn man wenig Zeit hat, alle Eltern einzeln zu behandeln, dann kann ich den Elternabend empfehlen. Es gibt ihn mit den Kindern und ohne die Kinder. Mit Kindern ist es in meinen Augen schlauer, denn dann gibt es schon kein Betreuungsproblem.

Eine Stunde, sechs Punkte

Eine Stunde, nicht mehr. Sechs Punkte, in dieser Reihenfolge, und so viel Zeit bekommt jeder, wenn die Stunde halten soll:

MinutenPunktWas du sagst
5Wer du bistName, dein Kind, dass du das zum ersten Mal machst, und warum du zugesagt hast
15Wie das Training abläuftUhrzeit, Aufbau, dass ihr in mehreren kleinen Feldern spielt und warum in verschiedenen, wie lange eine Einheit dauert
10Warum nicht gezählt wirddie Spielform eurer Altersstufe, ein Satz dazu, der Link, keine Debatte
10Die Regeln in der Mannschaftder Katalog, drei Regeln, drei Stufen, zum Zeigen dabei
10Was du von den Eltern brauchstdie vier Aufgaben, der Zettel geht herum
10Fragendie drei, die immer kommen, und die vierte

Die Reihenfolge ist Absicht. Wenn du mit den Erwartungen an die Eltern anfängst, hast du eine Verhandlung. Wenn du mit dir selbst und mit dem Training anfängst, hast du eine Vorstellung, und die Aufgaben verteilen sich am Ende fast von selbst. Dass ihr in verschiedenen Feldern spielt, sagst du hier und nicht am Platz, wenn die erste Mutter danach fragt; wie die Einteilung entsteht, steht in Der Platz, bevor die Kinder kommen.

Zum Vorlesen

Falls du nicht weißt, wie du anfangen sollst:

„Danke, dass ihr da seid. Ich mache das zum ersten Mal, ich habe keine Lizenz, und ich habe zugesagt, weil sonst niemand zugesagt hat. Ich sage euch heute, wie ich es machen will, und ihr sagt mir, was ihr braucht.

Zwei Dinge vorweg. Erstens: Bei uns spielen alle Kinder ungefähr gleich lang, und ich schreibe das vorher auf. Zweitens: Es gibt bei uns keine Tabelle und keine Ergebnisse, und das ist keine Entscheidung von mir, sondern die Spielform in dieser Altersstufe. Warum das so ist, erkläre ich gleich.

Und dann brauche ich von euch vier Sachen, und ich verteile sie heute Abend.“

Die Stelle, an der der Abend kippen kann

Das ist der Punkt „Warum nicht gezählt wird“. Erklär es einmal ordentlich und lass dich nicht auf eine Debatte ein. Und gib den Eltern etwas in die Hand: Kinderfußball für Eltern beantwortet genau diese Frage und die zwanzig, die danach kommen, aus ihrer Sicht. Ein Link im Gruppenchat spart dir drei Elternabende.

Was du an dieser Stelle nicht tust: dich rechtfertigen. Du hast die Spielform nicht erfunden, du wendest sie an, und die Diskussion darüber gehört zum Verband. Ein Satz reicht: „Das ist nicht meine Entscheidung, ich halte sie aber für richtig, und hier steht, warum.“

Den Satz sagst du für eure Stufe, und du sagst ihn mit Vorbehalt, weil er je nach Landesverband etwas anders lautet. In Hessen dürfen Ergebnisse und Tabellen der G-, F- und E-Junioren nicht im DFBnet veröffentlicht werden, Württemberg führt bei Bambini und F-Jugend keine Tabellen, und beim DFB steht „Erlebnis vor Ergebnis“ als Spielprinzip in der Jugendordnung. Was bei euch gilt, steht in den Durchführungsbestimmungen deines Landesverbands. Lies sie vor dem Abend einmal, dann musst du auf die Nachfrage nicht raten.

Den Katalog zeigen, bevor das lila Leibchen nach Hause kommt

Den Regelkatalog stellst du an diesem Abend vor, mit dem Zettel in der Hand: drei Regeln, drei Stufen, für alle gleich, so wie er in Regeln, Ton und Grenzen steht. Vom Elternabend her ist die Regel eine komische Idee des Trainers. Beim Abendessen zum ersten Mal vom eigenen Kind gehört, ist sie ein Übergriff, und das Gespräch darüber führst du dann am Dienstag am Rand, vor allen anderen.

Vier Aufgaben, vier Namen

Noch an diesem Abend, mit einer Liste, die herumgeht. „Meldet euch mal“ bringt nichts. Auf der Liste steht die Aufgabe, was sie genau heißt, wie viele Stunden sie in der Runde kostet, und daneben ist Platz für einen Namen:

AufgabeWas genauStunden je RundeName
FahrdienstPlan für alle Auswärtsspiele der Runde, wer fährt wen, Treffpunkt und Uhrzeit
Trikotswaschen und zum nächsten Spiel mitbringen, reihum nach Plan
Turniere und TermineAusschreibungen im Blick behalten, Fristen melden, Termine in die Übersicht
MannschaftskasseBeiträge einsammeln, Kassenblatt führen, siehe Organisation

Die Stundenspalte füllst du aus, bevor der Zettel herumgeht, Fahrt und Nachrichten eingerechnet. Eine Aufgabe ohne Zeitangabe wird nicht übernommen, weil sich jeder das Schlimmste darunter vorstellt. Und wer beim Aufbauen hilft oder beim Spielfest ein Feld begleitet, steht nicht als fünfte Zeile auf dem Zettel. Das fragst du einzeln, und was so jemand am Feld tut, steht in Spielfeldbegleiter. Bei den Heimspieltagen muss ich mit den Eltern zusammenarbeiten und bitte sie da auch, Dienste zu übernehmen.

Eine Nachricht, fünf Anhänge

Was du im ersten Monat verschickst, ist überschaubar und erspart dir den Rest der Saison viel: die Terminübersicht der Runde, den Fahrdienstplan, die Treffpunktregel, den Regelkatalog und den Link zum Elternleitfaden. Fünf Nachrichten, oder besser eine mit fünf Anhängen:

„Hallo zusammen, hier ist alles für die Runde in einer Nachricht: die Terminübersicht, der Fahrdienstplan, unsere Treffpunktregel, der Regelkatalog aus dem Elternabend und der Link zum Elternleitfaden. Zwei Bitten für den Chat: Absagen bis mittags am Trainingstag, und alles, was nur euer Kind betrifft, direkt an mich und nicht in die Gruppe.“

Die zwei Bitten sind die Chatregeln, und mehr als zwei braucht es nicht. Ohne sie wird der Chat zur zweiten Halbzeit. Einen Absatz verträgt er außerdem gut, und der ist dafür geschrieben: der Block „Zum Weitergeben“ am Ende von Nach dem Spiel, was Eltern auf der Fahrt nach Hause sagen und was sie lassen.

Der Vater mit dem Leistungszentrum

Er fragt nach Fördertraining, nach Sichtung, nach mehr Spielzeit. Die Antwort ist eine Trennung: Was im Verein möglich ist, besprichst du gern. Was die Aufstellung angeht, gilt für sein Kind dasselbe wie für alle. Sag beides in derselben Minute, sonst hört er nur den zweiten Teil.

Was in diesem Gespräch hilft, ist eine Zahl: wie viele Kinder aus einem Jahrgang tatsächlich in einem Nachwuchsleistungszentrum ankommen. Ich kenne sie nicht, und ich schätze sie auch nicht. „Ich weiß es nicht“ ist eine bessere Antwort als eine geschätzte.

Die Mutter an der Linie

Sie kommt während des Spiels an die Linie und will etwas besprechen. Nicht während des Spiels. Ein Satz reicht: „Ich rede nach dem Spiel mit dir, jetzt geht es nicht.“ Und dann redest du auch wirklich nach dem Spiel, sonst gilt der Satz beim nächsten Mal nichts.

Was für beide Fälle gilt: Ein Gespräch am Spielfeldrand hat Zuschauer, und ein Gespräch mit Zuschauern wird geführt, um zu gewinnen. Fünf Minuten nach dem Abpfiff ist dieselbe Sache ein Gespräch. Was Eltern am Rand rufen dürfen und was sie lieber lassen, steht für sie in Was am Spielfeldrand hilft und was schadet, und den Link kannst du an dem Abend gleich mit den anderen verschicken.

Und die Gegenrichtung gibt es auch: Eltern, die finden, dass du am Samstag zu laut warst. Was sie dann tun sollen und in welcher Reihenfolge, steht in Wenn der Trainer schreit. Lies es vor ihnen. Wer weiß, dass zuerst beobachtet wird und dann der Jugendleiter kommt, hört das Gespräch unter vier Augen anders.

Die vierte Frage

Auf drei Fragen kannst du dich vorbereiten, und die Antworten stehen unten unter den häufigen Fragen: warum das Kind nicht mehr spielt, wann ihr richtig zu trainieren anfangt, ob man zu Hause üben soll. Damit bist du für den größten Teil des Abends gerüstet.

Auf die vierte Frage kannst du dich nicht vorbereiten, und die kommt auch. Dann ist „Das weiß ich nicht, ich frage nach und melde mich“ eine vollständige Antwort. Sie ist besser als jede, die du dir in dem Moment ausdenkst, und sie kostet dich nichts. Niemand erwartet von einem Elterntrainer, dass er die Jugendordnung auswendig kann. Was ich selbst noch besser machen kann, ist, Fragen der Eltern zu ermutigen.

Was sich mit dem Alter ändert

Der Abend selbst ändert sich nicht, nur die Frage, an der er kippen kann. Deshalb ist die Staffel kurz.

StufeDie Frage, an der der Abend kippen kannWas du dafür dabeihast
3–4 Jahre (vor G)kein Elternabend. Die Eltern stehen ohnehin am Platz oder spielen mit, und die Aufgaben verteilen sich am Randnichts
5–6 und 7–8 Jahre (G und F)„Warum wird nicht gezählt?“der Link zum Elternleitfaden, der Regelkatalog zum Zeigen
9–10 Jahre (E)„Warum spielt mein Kind nicht mehr?“, weil die Spiele lang werden und aus einer Pause auf der Bank ein Zustand; dazu der Vater mit dem Leistungszentrumder Zettel aus dem Spieltag-Artikel

Die Checkliste für den Abend

  • Sechs Punkte in der Reihenfolge oben
  • Vier Aufgaben aufgeschrieben, die heute vergeben werden, mit Stunden
  • Regelkatalog zum Zeigen dabei
  • Link zum Elternleitfaden vorbereitet
  • Eine Stunde, und du hörst auch nach einer Stunde auf

Nach dem Abend hast du vier Namen, einen Chat mit zwei Regeln und einen Ordner, der noch leer ist. Was in den Ordner gehört, damit jemand anderes morgen dein Training übernehmen kann, steht im nächsten Kapitel: Die Organisation, die du einmal aufsetzt.

Quellen zu Ergebnissen und Tabellen: Hessischer Fußball-Verband, Allgemeine Durchführungsbestimmungen 2026/27 bei den G-, F- und E-Junioren, Fassung vom 10. Juli 2026, Ziffer 7 (keine Veröffentlichung von Ergebnissen und Tabellen im DFBnet); Württembergischer Fußballverband, Leitfaden Kinderfußball 2026/27, Stand Juli 2026, Abschnitt B Ziffer 1 („Das Führen von Ergebnislisten und Tabellen ist nicht zulässig“); Deutscher Fußball-Bund, Jugendordnung, Anhang IV, Stand 21. August 2026, Spielprinzip „Erlebnis vor Ergebnis“, geprüft am 19. September 2026. Belegt ist das für zwei Landesverbände; was in den übrigen gilt, steht in deren Durchführungsbestimmungen. Der Ablauf des Abends, die Aufgaben und die beiden Gespräche sind Erfahrung aus Patricks Mannschaft, keine Vorgabe.

Häufige Fragen

Warum spielt mein Kind nicht mehr?

Die Antwort ist der Zettel, und den bringst du zum Elternabend mit: eine Zeile je Kind, eine Spalte je Spielabschnitt, ein Kreuz, wenn es spielt, am Freitag ausgefüllt. Wie er aussieht, steht in Der Spieltag als Trainer. Das Gespräch über Einsatzzeiten führst du mit dem Zettel in der Hand oder gar nicht. Was die Eltern auf ihrer Seite dazu lesen können, steht in Einsatzzeiten im Kinderfußball.

Wann fangt ihr an, richtig zu trainieren?

Wir trainieren schon richtig. Der DFB will im Kinderfußball kleine Spielformen auf mehreren Feldern, weil ein Kind dort öfter am Ball ist als in einer Reihe vor einem Hütchen, und genau das machen wir. Die zwei Sätze dazu reichen am Elternabend; wer mehr wissen will, liest, was der Verband dir für den Dienstag vorgibt: Trainingsphilosophie Deutschland für Elterntrainer.

Sollen wir zu Hause was üben?

Spielen lassen. Ein Ball, ein Hof, zwei Nachbarskinder bringen in dem Alter mehr als jede Übung, die ein Erwachsener anleitet. Was zu Hause hilft und was nichts bringt, steht für die Eltern in Fußball üben zu Hause, und den Link kannst du am Abend gleich mitgeben.

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