Ballblase
auch Blase, Butylblase, Latexblase, SR-Blase, Synthesekautschuk, Null-Flügel-Blase, umwickelte Blase
Der Luftsack im Inneren des Balls. Aus welchem Material er besteht, entscheidet darüber, wie oft nachgepumpt werden muss und wie lebendig der Ball springt. Auf den Produktseiten steht er, erklärt wird er selten.
Von außen sieht man die Blase nie, auf der Produktseite steht sie fast immer. Sie ist der Luftsack im Inneren, und sie ist der Teil des Balls, über den am wenigsten gesagt wird, obwohl zwei Bälle mit derselben Größe, demselben Gewicht und derselben Hülle sich allein durch sie unterscheiden können.
Drei Materialien kommen vor. Naturlatex springt am lebendigsten und fühlt sich am weichsten an, verliert aber am schnellsten Luft, weil das Material feine Poren hat. Es steckt in den teuren Wettspielbällen. Butyl hält die Luft am längsten, nach Angaben der Zulieferer mehrere Wochen, ist dafür schwerer und härter und behält seine Form besser. SR ist die Abkürzung für Synthesekautschuk, auf Englisch synthetic rubber, und das ist die billigste und häufigste Blase. Sie hält die Luft besser als Latex und schlechter als Butyl und sitzt in Freizeit- und Einsteigerbällen.
Steht auf der Packung „umwickelte Blase“, ist damit ein Fertigungsschritt gemeint: Die aufgepumpte Blase wird mit einem verstärkten Klebefaden umwickelt, bis daraus eine Gewebeschicht entsteht, die erhitzt und mit der Blase verschmolzen wird. Der Faden hält den Ball unter Druck in Form, und die Umwicklung ist der Grund, warum ein Ball mit einer eigentlich einfachen Blase trotzdem rund bleibt.
Was das im Regal bedeutet, zeigen zwei Bälle desselben Herstellers nebeneinander. Der Apus S-Light 290 und der Bundesliga Brillant Replica S-Light 290 wiegen beide rund 290 Gramm, sind beide Dual Bonded verarbeitet und werden beide für die E- und F-Jugend empfohlen. Der eine läuft als Jugend-Trainingsball und hat eine umwickelte Butyl-Blase, der andere als Jugend-Freizeitball mit SR-Blase. Der Unterschied, den der Hersteller benennt, ist die Blase.
Erklärt wird er dort nicht. Auf der Wissensseite des Herstellers, der Ball University, ist von den drei Blasen nur die Naturlatexblase beschrieben, samt dem Ausgleichsgewicht gegenüber dem Ventil, das den Ball ausbalanciert. Butyl und SR kommen auf dieser Seite nicht vor, obwohl sie auf den Produktseiten der Jugendbälle stehen. Wer den Unterschied wissen will, muss ihn woanders suchen.
Für die Kaufentscheidung zählt nicht, wie oft ein Ball gespielt wird, sondern wie lange er zwischen zwei Malen liegt. Und das fällt anders aus, als man vermutet. Der Vereinsball ist im Zweifel von Montag bis Samstag im Einsatz, weil mehrere Mannschaften auf denselben Ballsack zugreifen. Lange Standzeiten hat er nicht. Zu Hause ist es umgekehrt, und zwar umso mehr, je mehr Bälle herumliegen: Bei dreien liegt jeder einzelne die meiste Zeit still, am Ende sind zwei platt, und geholt wird der dritte.
Dazu kommt, womit gepumpt wird. Wo im Ballraum ein Kompressor steht und mobile Pumpen dazu, ist ein weicher Ball in einer Minute wieder hart, und dann entscheidet die Luftrückhaltung nichts mehr. Zu Hause gibt es das nicht, sondern eine Handpumpe, die auch erst gefunden werden muss. Beides zusammen dreht die Erwartung um: Die teurere Blase zahlt sich eher im Flur aus als in der Ballkiste des Vereins.
Im Verein wird von der Blase etwas anderes verlangt. Ein Ball, der sechs Tage die Woche getreten wird, gibt zuerst an der Hülle nach, und die Blase soll vor allem rund bleiben. Dafür stehen Butyl und die Umwicklung ebenfalls, nur aus einem anderen Grund als dem Luftverlust.
Für ein Kind sieht die Rechnung noch einmal anders aus als für den, der pumpt. Vom lebendigen Sprung einer Latexblase hat ein Sechsjähriger wenig, weil ihm der Vergleich zum nächsten Ball fehlt. Vom Luftverlust merkt er sofort etwas: Ein Ball mit zu wenig Druck springt niedriger, rollt träger und fliegt kürzer, und das Kind rechnet es sich selbst zu und nicht dem Ball. Der Gewinn einer Butylblase ist deshalb nicht das Spielgefühl, sondern dass der Ball nächste Woche noch derselbe ist. Wer gerade herausfindet, wie weit der eigene Schuss trägt, braucht einen Ball, der sich zwischendurch nicht ändert. Die Umwicklung gehört zur selben Sache, weil ein runder Ball dorthin springt, wo das Kind ihn erwartet. Und ein Ball, der vor dem Spielen erst gepumpt werden muss, wird seltener geholt.
Für die SR-Blase spricht dafür etwas, das in keinem Datenblatt steht. Sie macht den Ball billig, und ein billiger Ball darf im Gebüsch liegen bleiben, im Regen stehen und irgendwann weg sein. Ein Kind, dem man hinterherruft, es solle vorsichtig sein, spielt anders als eines, dem das niemand sagt. Für den Ball, der draußen bleibt, ist das der wichtigere Vorteil.
Offen, Quelle: Die Eigenschaften der drei Materialien stammen aus Zulieferbeschreibungen und nicht aus einer Messung. Wie viel Druck ein Ball tatsächlich in welcher Zeit verliert, ist damit nicht belegt, ebenso wenig, wie stark eine Umwicklung die Formstabilität ändert. Die Angabe „mehrere Wochen“ für Butyl ist die Angabe eines Anbieters.
Offen, Erfahrung: Dass ein Vereinsball die Woche über kaum stillliegt, weil mehrere Mannschaften auf denselben Ballsack zugreifen, ist eine Beobachtung aus einem Verein und keine Regel. Wo nur eine Mannschaft trainiert und keine Pumpe im Haus steht, gilt eher der Fall von zu Hause.
Zuletzt geprüft am 31. August 2026, Quelle: Produktseiten und Ball University derbystar.de, DPMA-Galerie Fußball und Technik (Abschnitte Blase und Hülle), dazu die Zulieferbeschreibungen von ball-one.de und victeamsports.com für die Materialeigenschaften, abgefragt am 31.08.2026. Landesverbände weichen in einzelnen Punkten ab. Im Zweifel gilt die Ordnung deines Verbands.