Kinderfußball für Eltern
Ab wann, welcher Verein, was du kaufen musst, warum niemand mitzählt und was du am Spielfeldrand sagst: der Einstieg in den Kinderfußball für Eltern.
57 Min. Lesezeitvon Patrick Schneider

Entwurf. Dieser Text ist geschrieben, aber noch nicht überall belegt. An sieben Stellen steht ein gestrichelt umrandeter Kasten mit dem Hinweis, was dort noch fehlt: eine Quelle, eine Erfahrung oder ein Abschnitt, der so noch nicht trägt. Solange auch nur einer davon übrig ist, bleibt noindex gesetzt. Auch das Titelbild ist ein Platzhalter: eine Zeichnung, die die Stelle hält, bis ein eigenes Foto da ist.
Das hier ist mein Leitfaden für Eltern. Darin steht alles, was ich selbst gern gewusst hätte, als ich meinen Sohn als Bambini beim Fußball angemeldet habe. Es ist ein kleines Buch geworden.
01 · Ab wann darf mein Kind spielen
Es gibt in meinen Augen kein zu früh. Fußball kann man ab dem zweiten Lebensjahr spielen. Aber wir sind in Deutschland und es gibt Regeln.
Die Altersstufen und ihre Buchstaben
Die Basics: Die Stufen tragen Buchstaben, die rückwärts laufen. Je jünger die Kinder, desto weiter hinten im Alphabet: G ist die jüngste, darüber kommen F, E und D. Daneben gibt es die U-Bezeichnungen, die dasselbe meinen und nur anders zählen. In manchen Vereinen sagt man das eine, in manchen das andere, und in Formularen stehen oft beide.
Bambini ist die G-Jugend. Die Jugendordnung des DFB führt die Altersklasse unter dem Namen „G-Junioren/G-Juniorinnen (Bambini/U 7)“, und darunter kommt nichts mehr. Was viele Vereine zusätzlich für Drei- und Vierjährige anbieten (Minikicker, Fußballkindergarten, Spielgruppe mit Ball), ist ein Angebot des Vereins und keine Altersklasse des Verbands.
Das U heißt „unter“, U9 also „unter neun Jahre alt“ und jede Stufe umfasst zwei Jahrgänge. Deshalb schreibt der DFB U9/U8 und nicht nur U9.
Eingeteilt wird nach dem Kalenderjahr, in dem die Saison beginnt; Stichtag ist der 1. Januar. Daraus wird eine Rechnung, die du im Kopf machen kannst: Zieh vom Jahr des Saisonstarts das Geburtsjahr deines Kindes ab. Kommt 7 oder 8 heraus, ist es F-Jugend. 9 oder 10 sind E, 11 oder 12 sind D, alles darunter ist G. Für die laufende Saison 2026/27 sieht das so aus:
| Stufe | Kürzel | Geburtsjahrgänge | Spielform | Kinder je Mannschaft |
|---|---|---|---|---|
| G-Jugend, auch Bambini | G · U7/U6 | 2020 und jünger | Festivals, kein Ligabetrieb und keine Pokalspiele | 2 gegen 2 oder 3 gegen 3, auf vier Minitore |
| F-Jugend | F · U9/U8 | 2019 und 2018 | Festivals, kein Ligabetrieb und keine Pokalspiele | 3 gegen 3, 4 gegen 4 oder 5 gegen 5 |
| E-Jugend | E · U11/U10 | 2017 und 2016 | Turniere, und hier fängt der Ligabetrieb an | 4 gegen 4, 5 gegen 5, 6 gegen 6 oder 7 gegen 7 |
| D-Jugend | D · U13/U12 | 2015 und 2014 | Meisterschaftsspiele | 7 gegen 7, 8 gegen 8 oder 9 gegen 9, jeweils mit Torwart |
Wichtig: Vereinsjahrgang ist nicht Schulklasse
Die häufigste Verwechslung steht nicht in der Tabelle, sondern daneben. Der Verein rechnet nach dem Geburtsjahr, die Schule rechnet nach einem Stichtag, und dieser Stichtag ist von Bundesland zu Bundesland ein anderer. Zwei Kinder, die in derselben Klasse sitzen, können deshalb in verschiedenen Mannschaften spielen.
Die beiden Daten, um die es geht: Der Verein teilt nach dem Kalenderjahr ein, Stichtag ist der 1. Januar. Die Schule nimmt einen Stichtag im Sommer oder Herbst, und welcher das ist, entscheidet das Bundesland. Die Spanne reicht vom 30. Juni bis zum 30. September. Zwischen 1. Januar und 30. September liegen Monate, und jedes Kind, das in diese Lücke fällt, sitzt neben jemandem im Klassenzimmer, mit dem es im Verein nicht in derselben Mannschaft steht.
Für dich heißt das: Dein Kind kann im Verein ein Jahr UNTER seinen Schulfreunden landen, obwohl es im selben Klassenzimmer sitzt. Das ist der häufigste Grund, warum ein Kind nach dem ersten Training enttäuscht im Auto nach Hause sitzt.
Man kann das im Einzelfall anders regeln, indem ein Kind mit dem älteren Jahrgang trainiert. Der Weg dahin geht über den Trainer und den Jugendleiter, er ist nicht überall gleich, und er ist nicht selbstverständlich.
Ich halte die Trennung allerdings für falsch, und in meiner Mannschaft handhabe ich sie entsprechend: Wenn ein Kind mit seiner Schulklasse zusammenspielen will, nehme ich es mit hoch. Freunde sind in diesem Alter wichtiger als eine saubere Jahrgangsliste. Mein Team spielt auch zusammen in der Schule gegen die andere Klasse oder gegen die anderen Jahrgangsstufen.
Das ist meine persönliche Regel. Der eine Verein trennt die Jahrgänge streng, der nächste nimmt es locker, und beide werden dir das begründen können. Man kann das durchaus ansprechen. Es ist kein unverschämtes Anliegen das Kind in eine andere Trainingsgruppe zu geben.
02 · Was für ein Fußballkind hast du?
Roll einen Ball an deinem Kind etwa 1 m entfernt vorbei, während es auf einer Bank oder dem Boden sitzt und rede parallel mit ihm.
Und währenddessen beobachtest du dein Kind. Hört es dir zu oder springt es auf und schnappt den Ball?
Das sagt sehr viel aus über das Verhältnisses deines Kindes zum Ball.
Nicht vom Ball zu trennen
Du erkennst es daran, dass der Ball nicht lvorbei rollt. Seit dieses Kind laufen kann, geht es gegen die Wand, gegen die Couch, gegen das Garagentor, und wenn du in den Flur trittst, liegt der Ball da, wo er hingehört, nämlich mitten im Weg.
Dieses Kind braucht Gelegenheit und kein Programm. Was schiefgeht, ist zu frühe Struktur: drei Technik-Trainings die Woche, ein Privattrainer, eine Fußballschule zusätzlich. Man kann einem Kind die Sache abgewöhnen, indem man zu viel vorgibt.
Und es hält viel aus. Es ist das Kind, das beim Erklären weiterkickt, während die anderen stehen, und deshalb die meisten Ansagen abbekommt. Die Kinder sind Kummer gewohnt und lassen sich 30 Sekunden darauf ein, irgendwie still zu sitzen, aber danach wollen sie weiterspielen.
Ballaffin und sensibel
Dieses Kind mag den Ball, aber es verträgt das Drumherum schlecht. Körperkontakt, Lautstärke, eine Trillerpfeife, ein Trainer, der von der anderen Seite des Platzes ruft. Nach einem lauten ersten Training ist die Sache vielleicht schon erledigt, bevor sie richtig angefangen hat.
Es braucht eine kleine Gruppe, einen ruhigen Trainer und Vorlauf. Nicht am Dienstag erzählen, dass es am Mittwoch zum Schnuppern geht. Einmal vorher hingehen und nur zusehen hilft mehr als jede Ansprache, und wenn es dabei in sicherer Entfernung stehen bleiben will, bleibt es eben in sicherer Entfernung stehen.
Viele hochtalentierte Kinder hören in meinen Augen mit dem Fußball auf, weil sie mit dem Umfeld nicht zurechtkommen.
Wegen der Freunde da
Dieses Kind geht zum Fußball, weil die anderen hingehen. Wenn zwei Freunde aufhören, hört es auch auf, und es hat dann nichts mit Fußball oder dem Trainer zu tun.
Es braucht die Gruppe, und das ist der Grund, warum bei ihm der Wechsel in den besseren Verein am häufigsten schiefgeht. Man nimmt ihm genau das weg, was es trägt, und gibt ihm dafür eine Trainingsgruppe, in der es niemanden kennt. Nach einem halben Jahr will es aufhören, und alle suchen den Grund beim Fußball.
Für diese Kinder sind der unvermeidbare Wechsel in eine andere Altersgruppe extrem schwierig.
03 · Verein, Bolzplatz oder beides?
„Muss es der Fußballverein sein?“ Die Frage stellt kaum jemand laut, weil die Antwort selbstverständlich scheint.
Nein, natürlich nicht. Wenn es nicht passt, dann passt es nicht und dann muss man eben mit seinem Kind eigene Termine erschaffen.
Was der Verein leistet
Feste Zeiten, mit denen die Woche steht. Eine Gruppe, die auch dann noch da ist, wenn ein Kind zwei Wochen fehlt. Jemanden, der etwas erklärt und der beim nächsten Mal weiß, was letztes Mal war. Spieltage, an denen es einmal ernst aussieht, ohne es zu sein. Und einen Versicherungsschutz, über den in Kapitel 05 (Anmeldung, Beitrag, Spielerpass, Versicherung) mehr steht.
Und den Platz. Einen Rasen, auf dem der Ball rollt und nicht springt. Mini-Tore in der Größe, die zu Sechsjährigen passt, große Tore mit Netz für die, die davon träumen, Hütchen, Leibchen und genug Bälle, dass nicht zwei Kinder auf einen warten. Für ein Kind ist der Unterschied zwischen einem echten Tor mit Netz und zwei hingeworfenen Rucksäcken größer, als man vermutet.
Es ist doch bequem: Es gibt zwei Nachmittage in der Woche, an denen dein Kind versorgt ist und du nicht organisieren musst. Das ist kein schlechter Grund in meinen Augen.
Was das freie Spiel leistet
Eigentlich entwickelt sich der Verein immer mehr im Jugendbereich zum Bolzplatz, aber das ist noch nicht überall angekommen. Daher bietet das freie Spiel oft mehr Ballkontakte und mehr Platz, um Dinge auszuprobieren.
Ein Kind, das ausprobiert, ob es den Ball mit dem Außenrist um die Mülltonne bekommt, macht das nicht, wenn jemand zusieht und es hinterher bespricht. Es macht es, wenn niemand da ist.
Was der Verein nicht leisten kann
Viele Vereine bieten zwei Einheiten die Woche an. Dort stehen dann zwei Trainer, die sich um 20 Kinder kümmern und mit denen Übungen und Spiele machen und Schnürsenkel binden und so weiter. Bundesliga und Nationalspieler werden nicht in zwei Sporteinheiten pro Woche ausgebildet. Wirklich gute Jugendspieler spielen pro Woche sieben bis neun Mal unter unterschiedlichsten Bedingungen und davon auch 2-3 Mal im Verein.
Wenn dein Kind nicht zu den Stärksten einer Gruppe gehört, wirst du es auch selbst fördern müssen, wenn du möchtest, dass es besser wird. Wer besser werden will, wird nicht im Training besser, und wie das geht, steht in Kapitel 16 (Ich möchte, dass mein Kind besser wird). Worauf du bei der Gruppengröße schon vor der Anmeldung achten kannst, steht in Kapitel 04 (Den richtigen Verein finden).
Was sich in den letzten Jahrzehnten verändert hat
Ich habe selbst noch auf der Straße, auf dem Schulhof nach der Schule, an der Bushaltestelle, im Pausenhof, an einer anderen Bushaltestelle, mit Tennisbällen, kleinen Fußbällen, großen Fußbällen Fußball gespielt. Aber die Zeiten haben sich geändert.
Freies Spiel entsteht deshalb heute selten von allein. Die Kinder, die draußen sind, müssen verabredet werden (Spieldates). Der Bolzplatz, den du im Kopf hast, existiert in vielen Städten und Ortschaften entweder nicht mehr, oder er steht leer, weil niemand allein hingeht und niemand da ist, zu dem man dazukommen könnte.
Was du dagegen tun kannst, ist diese Spiele spontan zu initiieren, WhatsApp-Gruppen zu bauen und die Kinder und deren Eltern zum Bolzen zu verabreden.
Man merkt es übrigens im Spiel, welche Mannschaft Kinder hat, die nachmittags noch draußen kicken. Die sind eine ganz andere Härte gewohnt. Sie setzen sich gegen Ältere durch, sie erkennen sofort, wer mit dem Ellenbogen spielt, und sie halten dagegen. Das lernt kein Kind im Training, weil im Training jemand dazwischengeht. Der Bolzplatz ist vermutlich der Grund für mehrere Fußball-Weltmeisterschaften in Deutschland und nicht die Fußballvereine.
Jeder Ballkontakt zählt
Ich halte es zu Hause so einfach wie möglich: Jeder Ballkontakt zählt, und es ist gleich, wie er zustande kommt.
Mein Kind spielt unheimlich gerne Fußball, aber findet Torwart sein auch extrem toll. Also schieß ich Bälle, er fängt die Bälle und kickt sie mir zurück. Wenn ein Kind lieber dribbelt, kauft man sich kleine Hütchen, stellt sie irgendwo auf und lässt das Kind hin und her dribbeln.
Unterm Strich ist es egal, jede Ballberührung zählt.
04 · Den richtigen Verein finden
„Woran erkenne ich einen guten Verein?“ Am Schnuppertraining, und zwar in den ersten zwanzig Minuten.
Du musst dafür nicht viel vom Fußball verstehen. Es gibt einige Dinge, die kann man sehr leicht beobachten und dann weiß man, woran man ist. Aber auch hier gilt, Freunde schlagen den falschen Trainer und den falschen Verein um Längen. Kinder spielen eher mit Freunden bei einem furchtbaren Trainer als ohne Freunde bei einem tollen Trainer.
Vorher anrufen
Nahezu jeder Verein hat irgendwo eine Handynummer oder einen Ansprechpartner für Schnuppertrainings in der G-Jugend. Und wenn man das nicht findet, dann gibt es bestimmt irgendwo einen Jugendwart und wenn es keinen Jugendwart gibt, dann ist das vermutlich auch kein kinderorientierter Fußballverein.
Diesen Ansprechpartner rufst du an und fragst ihn, ob ihr zum Schnuppern kommen könnt. Das passiert jedes Jahr 50 Mal und alle wissen worum es geht. Zu diesem Schnuppertraining solltest du mit deinem Kind etwas früher kommen, damit dein Kind nicht in eine 15-köpfige Gruppe rein muss und dann mit dem Ball schon ein bisschen hier rumrennt auf dem Rasen und dann immer mehr Kinder kommen. In der G-Jugend gibt es keine stehenden Teams, sondern die Kinder spielen noch eher nebeneinander Fußball.
Die zwölf Fragen ans Schnuppertraining
Das Ziel im Schnuppertraining ist herauszufinden, ob es für das Kind passt: Viele Tore, viele Ballberührungen, wenig Leerlauf, positive Umgebung.
- Wie viele Kinder stehen gerade herum und tun nichts? Sind alle Kinder irgendwo entweder mit einem Spiel oder mit einem Ball alle beschäftigt? Oder müssen die Kinder permanent warten und stehen irgendwo herum, während irgendwas anderes organisiert wird?
- Hat jedes Kind einen Ball, oder teilen sich vier einen? Ein guter G-Jugendball kostet 10 Euro und es sollten dort 20 plus Bälle herumliegen.
- Wie lange redet der Trainer am Stück, bevor wieder gespielt wird? Trainer, die mehr als eine Minute reden, sind schwach. Ab fünf Minuten sehr schwach.
- Wie viele Erwachsene sind für die Gruppe da? Dazu unten mehr.
- Spricht der Trainer die Kinder mit Namen an? Er muss nicht alle kennen. Er sollte es wollen. Aber sei fair, es kommen ständig neue Kinder zum Schnuppern. Aber der Trainer sollte nach dem Namen gefragt haben.
- Was passiert, wenn ein Kind etwas nicht kann? Kommt jemand hin, oder läuft die Übung weiter?
- Wird gespielt, oder wird die ganze Zeit geübt? In diesem Alter lernen Kinder im Spiel mehr als in der Übung.
- Was liegt auf dem Platz: Hütchen, Hürden und Stangen, oder Tore? Eine Materialschlacht sieht nach Aufwand aus. Viele kleine Tore sehen nach Spiel aus. Spiel ist besser. Zu wenig Tore ist ganz schlecht.
- Wie ist der Ton, wenn etwas schiefgeht? Wird viel gerufen, wird viel gelobt, wird viel kritisiert. Loben ist gut, kritisieren schlecht. Schimpfen ganz schlecht.
- Was machen die Eltern? Stehen sie an der Linie und rufen? Die Elternkultur eines Vereins ändert sich nicht, weil du dazukommst. In der Regel halten die Eltern sich raus, das ist gut.
- Wie endet die Einheit? Geht die Gruppe zusammen vom Platz? Der Abschluss sagt viel darüber, ob das hier eine Mannschaft ist oder eine Ansammlung. In der G-Jugend ist es oft nur eine Ansammlung. Aber manche Trainer versuchen sie zu einer Gruppe zu entwickeln.
- Wollte dein Kind bleiben, als es vorbei war?
Bei Frage acht hilft ein Blick über den Platz, noch bevor das Training anfängt. Ich sehe mir auf einem fremden Sportgelände als Erstes an, wie viele Minitore herumstehen oder am Zaun hängen. Wo genug davon da sind, wird auch gespielt. Wo keine sind, wird das Tor aus zwei Hütchen oder aus Bierbänken gebaut, und in der F- und der G-Jugend merkt man das jeder Einheit an.
Wie viele Kinder in eine Gruppe gehören
Dahinter verbirgt sich folgende Frage: wie viele Kinder kommen auf einen Erwachsenen. Vierzehn Kinder mit drei Betreuern sind eine funktionierende Einheit. Zehn Kinder mit einem einzigen Trainer sind es oft nicht.
Eine große Gruppe ist also kein Ausschlusskriterium, solange genug Betreuer sich kümmern.
Ideal wäre in der G-Jugend ein Tor je Kind: vier Kinder, vier Tore, zwölf Kinder, zwölf Tore. Dann wird die ganze Zeit zwei gegen zwei oder sogar eins gegen eins gespielt, und niemand steht in einer Reihe. So ausgestattet ist fast kein Verein, das ist ganz selten der Fall. Der Maßstab bleibt es trotzdem: Je näher eine Gruppe daran liegt, desto mehr Ball hat jedes einzelne Kind.
Woran du einen überforderten Verein erkennst
Niemand antwortet auf E-Mails. Beim Schnuppern weiß keiner, dass ihr kommt. Die Trainingszeiten auf der Seite stimmen seit zwei Jahren nicht. Der Jugendleiter ist gleichzeitig Trainer von zwei Mannschaften und Platzwart.
Das alles heißt nicht automatisch, dass der Verein schlecht ist. Es heißt meistens, dass zu wenige zu viel machen. Wenn dein Kind dort gut aufgehoben ist, ist das der falsche Grund, wegzugehen. Es ist allerdings ein sehr guter Grund, selbst etwas zu übernehmen, und sei es den Fahrdienst.
Wartelisten
Sie sind in Städten der Normalfall, vor allem in den Jahrgängen, die gerade eingeschult werden. Lass dich draufsetzen und frag im selben Gespräch zwei Dinge: wann du dich wieder melden sollst, und ob es einen zweiten Verein in der Nähe gibt, den der Jugendleiter empfehlen würde.
Und melde dich tatsächlich wieder. Wartelisten werden selten gepflegt, und wer nachfragt, steht weiter oben als der, der wartet.
05 · Anmeldung, Beitrag, Spielerpass, Versicherung
„Was unterschreibe ich da eigentlich?“ Meistens zwei Dinge: den Aufnahmeantrag für den Verein und den Passantrag für den Verband.
Der Ablauf ist fast überall gleich. Erst schnuppern, oft zwei- bis dreimal, dann der Aufnahmeantrag mit Einzugsermächtigung, dann der Passantrag. Wenn dein Kind vorher schon in einem anderen Verein gespielt hat, kommt eine Freigabe dazu, und dann kann es dauern.
Was im Aufnahmeantrag steht
Name, Geburtsdatum, Anschrift, Bankverbindung. Dazu meistens eine Einwilligung zur Datenverarbeitung und, und das ist der Punkt, den man lesen sollte, eine Einwilligung zu Fotos.
Vereine fotografieren. Auf der Vereinsseite, im Mitteilungsblatt, in der Zeitung, in sozialen Netzen. Die Einwilligung dafür holen sie sich im Aufnahmeantrag, oft mit einem einzigen Häkchen für alles zusammen. Du darfst dieses Häkchen weglassen, du darfst es einschränken, und du darfst es später zurückziehen.
Ob du das willst, ist deine Entscheidung. Was du nicht tun solltest, ist es zu unterschreiben, ohne es gelesen zu haben, weil du es dann in vier Jahren auf einem Mannschaftsfoto im Netz wiederfindest. Sag dem Trainer Bescheid, wenn du etwas nicht möchtest, denn er kann darauf achten.
Was es kostet
Im Fußball muss man mit Gesamtkosten pro Jahr zwischen 300 und 500 Euro rechnen für den Mitgliedsbeitrag, Schuhe, Bälle, Schienbeinschoner und so weiter.
Aber Fußball-Vereine leben auch von der Unterstützung der Eltern bei Auswärtsfahrt, bei Heimspielen, Kuchenbacken etc. Denn damit kann man die Mannschaftskasse bzw. die Vereinskasse aufbessern und das erhöht dann den Aufwand pro Jahr.
Manche Vereine erwarten außerdem Arbeitsstunden, meistens beim eigenen Turnier oder beim Sommerfest, und wer nicht kommt, zahlt einen Betrag dafür. Das steht im Kleingedruckten und überrascht Leute regelmäßig.
Wenn Geld knapp ist, sag es. Fast jeder Verein hat einen Weg, und fast keiner schreibt ihn auf die Seite. Dazu kommen staatliche Möglichkeiten, über die dir das Jugendamt oder die Schule Auskunft gibt. Kein Kind muss aufhören, weil ein Jahresbeitrag nicht geht.
Offen, Quelle: Die 300 bis 500 Euro im Jahr stehen ohne Beleg da. Nötig ist eine eigene Erhebung mit Stand nach Monat und Jahr: Mitgliedsbeiträge mehrerer Vereine für ein Kind im Kleinfeldalter, dazu die Anschaffungen, die im selben Jahr anfallen. Für Schuhe liegt diese Erhebung schon vor, siehe Wissen. Bis der Rest dasteht, ist die Spanne eine Schätzung und keine Angabe.
Der Spielerpass
Der Pass ist die Registrierung deines Kindes beim Landesverband. Beantragt wird er vom Verein und nicht von dir, online über das DFBnet. Du unterschreibst den Antrag, und ohne diese Unterschrift ist er unwirksam; der Verein hebt das Original mindestens zwei Jahre auf. Welche Nachweise dazugehören, legt jeder Landesverband selbst fest: Der Westdeutsche Verband will die Geburtsurkunde im Original, Niedersachsen eine Kopie, Hessen eine Kopie eines Personaldokuments, und in Bayern und Württemberg reichen deutsche Kinder gar kein Dokument ein.
Ob dein Kind in der G-Jugend überhaupt schon einen Pass braucht, hängt ebenfalls vom Verband ab. In Bayern und in Baden ist keiner nötig, die Vereinsmitgliedschaft genügt. Württemberg, Niedersachsen und der Westdeutsche Verband verlangen ihn auch für die Jüngsten, Hessen erteilt ihn nicht vor dem vollendeten fünften Lebensjahr, und im Rheinland ist er für Bambini zur Saison 2026/27 neu eingeführt worden.
Beim Vereinswechsel ist es für die Kleinen einfacher, als der Ruf der Sache vermuten lässt. Was für ältere Jahrgänge gilt, nämlich dass der abgebende Verein zustimmen muss und der neue wartet, gilt für sie gerade nicht: Von der E-Jugend abwärts kann die Freigabe zum Stichtag nicht verweigert werden, in Württemberg reicht das sogar bis in die D-Jugend. Dazu kommt, dass in der G- und der F-Jugend ohnehin kein Ligabetrieb stattfindet, auf den sich eine Wartezeit beziehen könnte.
Wie lange die Passstelle braucht, steht in keiner Ordnung. Es kommt auf den Tag an, an dem der Antrag eingeht, denn auf ihn wirkt die Spielberechtigung zurück. Wenn ein Wechsel ansteht, kümmere dich früh darum und nicht im August.
Die sportärztliche Untersuchung
Die sportärztliche Untersuchung kann ein richtiger Showstopper sein. Manche Vereine verlangen sie, andere nicht. Wir zum Beispiel verlangen sie.
Wenn doch, dann sind es drei Dinge, die du wissen musst. Es ist eine Untersuchung auf Sporttauglichkeit, und sie ist in der Regel keine Leistung der Krankenkasse. Sie kostet etwas. Und das eigentliche Problem ist nicht das Geld, sondern der Termin: Kinderärzte sind voll, und Sporttauglichkeit ist dort kein dringender Fall.
Wenn du ohnehin bald zur Vorsorgeuntersuchung gehst, frag dort danach. Manche Praxen erledigen das mit, manche nicht, und die Frage kostet nichts.
Aus Trainersicht ist das ätzend und gehört trotzdem dazu, und zu diskutieren gibt es daran nichts. Bei mir haben Eltern schon sechs Wochen auf den Termin gewartet, andere hatten ihn in ein paar Tagen. Ruf deshalb an, sobald klar ist, dass der Verein die Untersuchung verlangt. Heute telefonieren und am Wochenende spielen ist meistens nicht drin.
Mein Tipp: Die 40 Euro für einen Privatkinderarzt bezahlen, und damit den Prozess manchmal um sechs Wochen abzukürzen.
Offen, Quelle: Dass die Untersuchung auf Sporttauglichkeit in der Regel keine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse ist, und was sie kostet. Aus dem Leistungsverzeichnis oder von einer Kassenärztlichen Vereinigung, mit Abfragedatum. Auch die 40 Euro brauchen einen Stand nach Monat und Jahr. Der Rest des Abschnitts ist Erfahrung und bleibt als solche stehen.
Versicherung
Über die Mitgliedschaft im Verein ist dein Kind im Training, beim Spiel und auf dem Weg dorthin mitversichert, weil der Verein Mitglied im Landessportbund ist. Das ist eine Sportversicherung und deckt einen Grundschutz ab.
Und jetzt der Satz, auf den es ankommt: Das ersetzt keine private Unfallversicherung. Der Grundschutz ist auf den Sportbetrieb begrenzt und in der Höhe gedeckelt. Wenn du dich darauf verlassen willst, sieh dir an, was er tatsächlich leistet, und zwar bevor etwas passiert.
Der Weg ist mitversichert, und das ist die einzige Angabe, die bundesweit trägt. Der Schutz beginnt, wenn ihr die Wohnung verlasst, und endet, wenn ihr zurück seid. Fahrgemeinschaften sind ausdrücklich eingeschlossen, auch wenn dafür ein Umweg gefahren wird.
Alles andere hängt davon ab, in welchem Bundesland dein Kind spielt, und zwar nicht in Nuancen. Geld für bleibende Schäden gibt es in Nordrhein-Westfalen und im Rheinland ab fünfzehn Prozent Invalidität, in Hessen, Bayern, im Saarland und in Niedersachsen erst ab zwanzig. Ein Bruch, der ausheilt, bringt aus dieser Versicherung nichts, auch wenn er schwer war.
Zwei Dinge überraschen Eltern regelmäßig. Verletzt ein Kind ein anderes, zahlt die Vereinshaftpflicht den Personenschaden nicht: Ansprüche von Mitgliedern untereinander sind ausgenommen, und es bleiben nur die festen Summen der Unfallversicherung. Und in Niedersachsen sind Kinder unter achtzehn überhaupt nicht bei der ARAG versichert, sondern über den Kommunalen Schadenausgleich. Ein Unfall wird dort über den Stadt- oder Kreisjugendpfleger gemeldet und nicht beim Versicherungsbüro. Wer an die falsche Stelle meldet, meldet an niemanden.
Der Verein kann dir sagen, über welchen Versicherer er läuft. Die Bedingungen stehen dann öffentlich im Netz.
06 · Was du wirklich kaufen musst
„Schuhe, Ball, Tor: was davon?“ Die kürzeste Antwort besteht aus sechs Dingen, und das erste, was du wissen solltest, ist, was nicht dazugehört.
Du brauchst Schuhe, Schienbeinschoner, Stutzen, etwas zum Wechseln, eine Trinkflasche und einen eigenen Ball. Das war es. Alles andere kommt später, wenn überhaupt, und das meiste davon kommt nie.
Schnuppern geht problemlos in Turnschuhen. Und wenn du merkst, dass dein Kind Feuer fängt, dann würde ich es schnell zu echten Kickschuhen wechseln.
Der eigene Ball
Ein eigener Ball ist wichtig und je nachdem, ob man eher in einem Hof spielt oder eher auf Rasen, sollte man sich auch einen unterschiedlichen Ball kaufen oder zwei. Die etwas weicheren Rasenbälle überleben keine vier Wochen im Hof. Und da der wirklich beste Ball eine eigene Wissenschaft ist, habe ich hier einen eigenen Artikel.
| Altersstufe | Ballgröße | Gewicht |
|---|---|---|
| G-Jugend, auch Bambini | 3 | 290 g |
| F-Jugend | 3 | 290 g |
| E-Jugend | 4 | 350 g |
| D-Jugend | 4 oder 5 | 350 g |
Das steht im Anhang IV der DFB-Jugendordnung, und für die G-, F- und E-Jugend gilt es seit der Spielzeit 2024/25 verbindlich. Für die D-Jugend ist es eine Empfehlung.
Zwei Landesverbände lassen mehr zu, als in der Tabelle steht. Hessen erlaubt in der F-Jugend neben der 3 auch die 4, dann aber mit 290 Gramm. In der E-Jugend lassen Hessen und Niedersachsen neben 350 auch 290 Gramm zu. Bremen bleibt bei den Werten oben. Was bei euch gilt, steht in den Durchführungsbestimmungen deines Landesverbands unter „Ballgrößen“, und der Jugendleiter sagt es dir in einem Satz.
Ein Ball in Größe 4 ist deshalb nicht automatisch ein 350-Gramm-Ball: Sieh auf die Grammzahl, nicht nur auf die Größe.
Schuhe
Für den Anfang reicht ein Paar. Welches, hängt davon ab, worauf trainiert wird, und das steht auf der Seite des Vereins oder du siehst es beim Schnuppern.
| Untergrund | Was passt |
|---|---|
| Naturrasen | Nocken |
| Kunstrasen | Multinocken oder ein für Kunstrasen ausgewiesener Schuh |
| Asche und Hartplatz | Multinocken |
| Halle | Hallenschuh mit heller Sohle |
Wenn dein Verein im Winter in die Halle geht, kommt ein zweites Paar dazu, aber erst dann und meistens erst im November. Hallenschuhe brauchen eine helle Sohle, weil dunkle Sohlen Streifen auf dem Boden hinterlassen und viele Hallen sie deshalb nicht erlauben.
Beim Kauf zählt die Passform mehr als alles andere, und genau hier unterscheiden sich die Empfehlungen. Und das ist einfach wichtig, wenn man im Schuhladen steht.
Aus der Spielpraxis: Ein Fußballschuh sitzt enger als ein Turnschuh. Ist vorn ein Daumen Luft, rutscht der Fuß beim Abbremsen nach vorn, und das merkt ein Kind zuerst an den Zehen.
Aus der Orthopädie: Der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie empfiehlt für Fußballschuhe eine halbe bis ganze Nummer über dem Straßenschuh, rund fünfzehn Millimeter mehr als die Fußlänge, und eine herausnehmbare Innensohle, damit Einlagen hineinpassen. Fünfzehn Millimeter sind ungefähr ein Daumen.
Beide haben recht, und der Widerspruch ist bekannt. Der Leiter des einzigen Fußballschuh-Tests einer Verbraucherorganisation hat ihn so zusammengefasst: Oft stehen Performance und orthopädische Eignung eines Schuhs im Widerspruch.
Ich kaufe unseren Kindern auch etwas größere Schuhe, aber das ist jetzt keine Empfehlung.
Kauf das erste Paar deshalb im Laden und nicht im Netz. Geh in ein Sportgeschäft am Ort, das Fußballschuhe führt, und lass dein Kind hineinsteigen und ein paar Schritte gehen. Größen fallen zwischen den Herstellern verschieden aus, und ob ein Schuh drückt, siehst du auf keinem Foto. Wie wenig die Zahl im Schuh wert ist, hat eine Nachmessung von 1.898 Kinderschuhen gezeigt: 86 Prozent davon waren kürzer als ihre eigene Größenangabe. Bestellen kannst du das zweite Paar, wenn du weißt, welche Marke und welche Größe passt.
Was das kostet, im August 2026 erhoben: Nocken für Naturrasen gibt es zwischen etwa 12 und 150 Euro, Multinocken für Kunstrasen und Hartplatz zwischen etwa 13 und 80, Hallenschuhe zwischen etwa 13 und 75. Die untere Kante gehört den Handelsmarken. Bei Adidas, Nike und Puma fangen Kindergrößen bei ungefähr 45 bis 55 Euro an.
Nach oben offen ist dabei nur der Naturrasenschuh. Für Kunstrasen und Halle ist in Kindergrößen bei rund 75 bis 80 Euro Schluss, und wer mehr ausgibt, kauft keinen besseren Schuh für den Platz seines Kindes, sondern einen Rennschuh für Naturrasen.
Ab ungefähr 60 Euro bezahlst du fast nur noch das Obermaterial, und zwar ein dünneres. Die Sohle ist bei Nike über alle Ausstattungsstufen hinweg dieselbe. Für einen Kinderfuß muss man das für sich selbst entscheiden.
Schienbeinschoner
Im Spiel sind sie Pflicht, im Training solltest du sie trotzdem anziehen lassen. Wichtiger als die Marke ist, dass sie passen und in den Stutzen bleiben, wo sie hingehören. Bei uns im Verein sind sie sogar im Training Pflicht.
Es gibt zwei Varianten: Die mit Knöchelschutz und Riemen ist die bessere für Kinder, da sie nicht verrutscht. Die reine Platte ist bei Kindern deutlich beliebter, weil sie sie einfach schneller loswerden und das machen sie auch mitten im Training.
Welche Größe zu welcher Körpergröße passt, woran ein zu kleiner Schoner zu erkennen ist und was die Regel im Wortlaut verlangt, steht im eigenen Artikel: Schienbeinschoner: Pflicht, Passform, Größentabelle.
Trikots und Kleidung
Das Spieltrikot stellt in aller Regel der Verein und sammelt es nach dem Spiel wieder ein. Was du selbst kaufst, ist Trainingskleidung, und dafür tut es alles, was schmutzig werden darf.
Im Winter braucht man gute Funktionskleidung, da in der Regel bis 10 oder sogar 5 Grad draußen trainiert wird. Es gibt auch Funktionsmützen und Handschuhe, die einfach besser geeignet sind als Baumwolle.
Viele Kinder haben auch die Profitrikots ihrer Lieblingsvereine an. Warum nicht?
Was Geldverschwendung ist
Dinge, die man nicht sofort benötigt: - Den Markenball für 100 Euro Größe 5. Das ist eine tolle Geschichte für später, aber Kinder spielen am Anfang mit Ballgröße 3 und max. 290 Gramm Gewicht. Ein Champions League Ball hat Größe 5 und wiegt über 400 Gramm. - Torwarthandschuhe sind bei Kindern extrem beliebt. Ideales Geburtstagsgeschenk.
07 · Der erste Spieltag
Nach den ersten Schnuppertrainings kommt irgendwann der erste Spieltag. „Wie läuft das ab?“ Anders, als du es aus dem Fernsehen kennst.
In der G- und der F-Jugend gibt es kein Spiel, sondern ein Spielfest. Daran nehmen mehrere Vereine teil, es gibt viele kleine Felder, oft nebeneinander, und über den Vormittag hin viele kurze Spiele. Die offizielle Runde besteht aus Spielfesten. Turniere gibt es zusätzlich, und die laufen anders.
Turniere liegen im Winter in der Halle und am Saisonende, dazu die in den Schulferien, an Ostern und an Pfingsten. Wann genau, hängt am Bundesland und daran, wie die Ferien fallen. In Hessen sind die meisten vor den großen Ferien, und manchmal kommt im August noch eines dazu, wenn alle aus dem Urlaub zurück sind.
Wie das im Einzelnen läuft, legt jeder Landesverband selbst fest. In Hessen spielen die G-Junioren 3 gegen 3 auf vier Mini-Tore, höchstens sieben Minuten je Spiel, die F-Junioren 4 gegen 4 auf vier Mini-Tore, höchstens zehn Minuten. Bis zu sieben Runden, dazwischen jeweils etwa drei Minuten Pause. Das steht in den Allgemeinen Durchführungsbestimmungen des Hessischen Fußball-Verbands für die Spielzeit 2026/27, Fassung vom 10. Juli 2026. Bei deinem Verband kann es anders aussehen.
Bei den Bambini und in der G-Jugend rücken die Mannschaften, die gewinnen, nach oben, und die, die verlieren, rücken nach unten, sodass alle immer gegen gleich starke Gegner spielen. Das ist keine Idee des Gastgebers, sondern der vorgeschriebene Modus: Das Siegerteam vom höchsten Feld und das Verliererteam von Feld 1 bleiben stehen, alle anderen wechseln das Feld. Bei einem Unentschieden steigt auf, wer das letzte Tor gemacht hat. Steht es 0:0, entscheidet Schere, Stein, Papier.
In der F-Jugend gibt es meistens Hin- und Rückrunde, drei oder vier Spiele und dann nochmal drei oder vier. Ab der E-Jugend ist es entweder ein Spielfest oder ein großes Spiel über fünfzig Minuten mit zwei Halbzeiten.
Der Abend davor
Am Abend zuvor packst du die Tasche. Kickschuhe, Socken, Klamotten, eventuell das Trikot, falls der Verein es vorher ausgibt. Ansonsten nur Trainingsklamotten, Wasser und ein bisschen Geld.
In der G-Jugend packen wir die Taschen zu hundert Prozent für die Kinder. In der F-Jugend kannst du dein Kind daran erinnern, es selbst zu machen, und musst hinterher trotzdem nachsehen.
In der Regel stellen die Trainer die letzten Informationen abends nochmal in die WhatsApp-Gruppe oder die Vereins-App. Sieh da rein. Und dann geht es direkt ins Bett, damit die Kinder am nächsten Tag fit sind. Die Spieltage der G- und der F-Jugend sind immer relativ früh, Samstag oder Sonntag.
Der Vormittag
Der Anpfiff ist in der Regel ein fixer Termin, aber der Abpfiff und die Abfahrt, da muss man etwas flexibler sein. Bei einem Auswärtsspieltag trefft ihr euch etwa eine Dreiviertelstunde vor dem ersten Pfiff. Bei einem Heimspieltag seid ihr anderthalb Stunden vorher da, weil aufgebaut werden muss.
Der letzte, den wir hatten: F-Jugend, Spätsommer, ein Verein im Hintertaunus. Losgefahren sind wir um 8:15 Uhr, um 8:45 Uhr waren wir da, Spielbeginn war 9:30 Uhr. Um 12:30 Uhr standen wir wieder vor der Haustür.
Nachdem wir uns in Ruhe umgezogen haben, konnten wir zum Warmmachen dort 3 gegen 3 auf einen Torwart kicken. Währenddessen hat der Veranstalter weiter aufgebaut und die anderen Vereine sind gekommen. Bis auf einen.
Deshalb waren wir am Ende vier Vereine statt fünf, und es wurde vor Ort umgeplant: drei Spiele Vorrunde, drei Spiele Rückrunde. Das hatte einen Grund, der so in den Bestimmungen steht. Die Zahl der Mannschaften soll gerade sein, sonst sitzt immer eine ohne Gegner am Rand.
Wir hatten zwei Auswechselspieler, die nach und nach reinkamen. Und als eine Mannschaft höher führte, durfte die andere mit einem zusätzlichen Spieler weiterspielen. Das ist in der G-Jugend und der F-Jugend sogar als Regel hinterlegt. Ab 3 Torendifferenz kann man einen weiteren Spieler aufs Feld schicken.
Ich warte als Trainer nicht immer bis zum dritten Tor. Wenn schon vorher klar ist, dass eine Mannschaft unterlegen ist, weil man zum zweiten Mal gegen dieselbe spielt, kann man den zusätzlichen Spieler früher bringen. Und wenn man merkt, es geht sofort so weiter, kommt auch gleich noch ein sechster dazu.
In der Pause gab es Waffeln und Brezeln. Nach drei weiteren Spielen waren die Kinder glücklich, zufrieden und ein bisschen fertig. Sie haben zusammengesessen, sich umgezogen, die Reste gegessen, und dann sind alle nach und nach aufgebrochen.
Der Trainer geht am Ende nochmal durch die Kabine. Da bleiben immer Hosen, Jacken, Knieschoner, Schienbeinschoner und Kickschuhe liegen.
Wir waren also gut vier Stunden von Haustür zu Haustür unterwegs und haben sechs Spiele gespielt, à 10 Minuten.
Die Spiele selbst laufen dicht hintereinander, dazwischen liegen jeweils drei Minuten. Lang ist alles andere: die Dreiviertelstunde vor dem ersten Anpfiff. Und die Pause dazwischen, da der Veranstalter auch ein bisschen Waffel verkaufen möchte. Ab und an dauern die Torwart-Handschuh-Wechsel oder die Torwart-Trikot-Plus-Torwart-Handschuh-Wechsel etwas zu lange, dann werden aus den drei Minuten auch mal fünf Minuten.
Der Verband deckelt den Spielbetrieb, nicht den Vormittag. Sieben Runden zu zehn Minuten plus die Pausen sind knapp anderthalb Stunden Ball. In der G-Jugend dauert ein Spieltag ungefähr neunzig Minuten, in der F-Jugend eher zwei Stunden. Wie lang genau, hängt daran, wie viele Mannschaften da sind, wie viele Kinder, und wie lang die Pausen werden. Dazu kommt alles, was davor und danach passiert, unter anderem weil der Gastgeber Brötchen, Waffeln und Getränke verkaufen möchte.
In der Theorie sollen die Kinder ohne Anleitung von Trainern und Eltern alleine spielen. In der Praxis wird aber doch viel gecoacht.
Warum das so ist, steht in Kapitel 10 (Die Seitenlinie: darf ich rufen?).
Was in die Tasche gehört
- Kickschuhe. Ohne die aufzulaufen ist beim Fußballspiel extrem ärgerlich
- Schienbeinschoner und Stutzen
- Im Herbst und im Frühjahr eine Jacke
- Eine Regenjacke, unabhängig vom Wetterbericht
- Zwei Flaschen Wasser, nicht eine
- Müsliriegel oder etwas anderes, wofür man keine Gabel braucht
Ein Handtuch haben wir nie dabei. Und Straßenschuhe muss niemand einpacken, die hat das Kind auf dem Hinweg an und zieht sie vor dem ersten Spiel aus.
Torwarthandschuhe musst du auch nicht kaufen. Wir haben ein Paar dabei, und die Kinder wechseln sich damit ab. Beim 4 gegen 4 auf Mini-Tore gibt es gar keinen Torwart. In der 4+1-Variante auf große Tore gibt es einen, und der wird durchgewechselt, jedes Kind, das möchte, kommt dran. Ganz selten gibt es eins, das nur ins Tor möchte.
Vor Ort gibt es oft Brezeln. Manchmal aber eben auch keine, oder sie sind ausverkauft, weil noch zwei Spieltage parallel laufen.
Der ganze Ablauf, von der Ankunft über den Spielplan bis zum Abbau, steht im eigenen Artikel: Spielfest: der Ablauf für Eltern.
08 · Warum niemand mitzählt: die neuen Spielformen
„Wo ist die Tabelle?“ Es gibt keine, und das folgt einem Plan. Der neue Kinderfußball nimmt etwas Druck aus dem Sport.
Der neue Kinderfußball wird auf kleineren Feldern mit weniger Kindern je Mannschaft mit mehr Toren gespielt.
Der DFB und meines Wissens auch alle Landesverbände geben vor, dass es keine Tabellen mehr gibt, um den Ehrgeiz der Eltern und der Trainer nicht noch weiter anzufeuern.
In einem Spiel drei gegen drei passiert am Ball deutlich mehr als in einem Spiel sieben gegen sieben. Das ist der ganze Punkt. Ein Kind wird durch Ballkontakte besser, und auf einem großen Feld mit vielen Mitspielern hat es kaum welche.
Wer je gesehen hat, wie ein Siebenjähriger in der Abwehr eine halbe Stunde lang zusieht, weiß, wovon die Rede ist.
Gezählt worden ist das im Pilotprojekt des DFB, ausgewertet für U7-Mannschaften: Je Spielminute fallen im Drei gegen drei doppelt so viele Dribblings, gut ein Drittel mehr Torschüsse und mehr als doppelt so viele Tore wie im Sieben gegen sieben, und das bei weniger als der Hälfte der Kinder auf dem Feld. Nur gepasst wird kaum häufiger.
Offen, Quelle: Nur noch der Umsetzungsstand je Landesverband. Die zentrale Ebene ist belegt und wird nicht erneut recherchiert: Spielformen, Mannschaftsgrößen, Ballgrößen, Torhöchstmaße und die Feldrichtwerte je Altersstufe stehen seit dem 28.08.2026 aus Anhang IV der DFB-Jugendordnung auf der Wissensseite, ebenso die gezählten Aktionen aus dem Pilotprojekt. Offen sind noch die Durchführungsbestimmungen der übrigen Landesverbände, mit Abfragedatum. Hessen ist seit dem 31.08.2026 belegt und steht unten als Beispiel; die Fassung liegt in 01-magazin/redaktion/quellen/. Hier weichen die Verbände ausdrücklich voneinander ab, und das gehört in den Text.
Was sich geändert hat
Wenn du selbst gespielt hast, kennst du etwas anderes: ein großes Feld, große Tore, feste Positionen, eine Tabelle und einen Trainer, der von der Linie aus dirigiert. Ich bezweifle, dass das für Kinder jemals sinnvoll war und jetzt hat man es eben formal geändert.
Der Kern der Änderung ist immer derselbe Gedanke: kleiner machen, damit mehr passiert. Weniger Kinder je Feld, kürzere Wege, mehr Tore, mehr Spiele hintereinander. Ein Kind soll in der Zeit, in der es früher in der Abwehr gestanden hat, dreißigmal am Ball gewesen sein.
Ein Verband als Beispiel
Damit das nicht ganz im Ungefähren bleibt, hier eine Fassung im Wortlaut. Der Hessische Fußball-Verband schreibt für die Spielzeit 2026/27 vor: G-Junioren spielen 3 gegen 3 auf vier Mini-Tore, Feld 25 mal 20 Meter, höchstens sieben Minuten je Spiel. F-Junioren 4 gegen 4 auf vier Mini-Tore, Feld 40 mal 25 Meter, höchstens zehn Minuten, wahlweise auch 5 gegen 5 mit Torwart auf abgehängte Jugendtore. E-Junioren 6 gegen 6 auf Jugendtore, Feld 50 mal 30 Meter. Bis zu sieben Runden an einem Vormittag, dazwischen jeweils etwa drei Minuten.
Bei den E-Junioren läuft gerade der Übergang: Ab der Spielzeit 2027/28 wird dort nur noch so gespielt.
Und eine Kleinigkeit, die mehr ausmacht, als sie klingt. Gewechselt wird nicht nach Gefühl, sondern nach jedem Tor, bei beiden Mannschaften, in einer festgelegten Reihenfolge. Fällt drei Minuten lang keins, wird trotzdem gewechselt. Deshalb kommt dein Kind an so einem Vormittag öfter aufs Feld, als du vom Zusehen her vermutest.
Das ist Hessen, Fassung vom 10. Juli 2026. Nebenan kann es anders stehen, und genau deshalb steht diese Aufzählung hier als Beispiel und nicht als Regel.
Wie das aussieht, wenn du zum ersten Mal danebenstehst
Es wirkt unübersichtlich. Auf drei oder vier Feldern läuft gleichzeitig etwas, die Spiele sind nach wenigen Minuten vorbei, Mannschaften wechseln das Feld, es wird ständig durchgetauscht. Manchmal pfeift noch jemand zentral an.
Es gibt kein Abseits, es gibt in vielen Formen keinen Torwart, und es gibt weniger Regeln und weniger Eingriffsmöglichkeiten von außen. Das Spiel ist schneller, direkter. Es fallen viel mehr Tore.
Für Eltern: Es gibt nichts mitzuschreiben. Alle Kinder wissen aber, ob sie erfolgreich oder nicht erfolgreich waren an dem Tag.
Warum das den Spieltag entspannt
Meine Erfahrung ist, dass ein Spielfest sehr ruhig läuft, wenn die Trainer vorher miteinander sprechen. Trifft eine starke Mannschaft auf eine deutlich schwächere, kann man die Kinder ein Stück weit schützen: Bei der schwächeren kommen einfach mehr Kinder aufs Feld, und am Ende spielen fünf oder sechs gegen drei.
Offen, Erfahrung: Was Eltern beim ersten Spielfest tatsächlich gefragt haben, in ihren Worten und in der Reihenfolge, in der es kam. Die Frage nach dem Ergebnis kommt immer. Der erste Spieltag ist zugleich die Stelle, an der die meisten Eltern die neuen Spielformen überhaupt zum ersten Mal sehen. Vom Training her kennen sie sie nicht. Und geklärt werden die Fragen untereinander, am Rand, nicht beim Trainer: festzuhalten ist deshalb auch, wer da wem was erklärt und was dabei falsch weitergegeben wird.
09 · Wie in Deutschland ausgebildet wird
Hinter dem, was am Dienstagabend auf dem Platz passiert, steht ein Ausbildungskonzept des DFB, an dem sich die Landesverbände und über sie die Vereine orientieren. Es gibt vor, was in welchem Alter im Vordergrund steht und was noch nicht, und es ist der Grund dafür, dass Kinderfußball heute anders aussieht als in deiner Erinnerung.
Was der DFB damit erreichen will
Dahinter stehen zwei Ziele, und sie zeigen in verschiedene Richtungen. Das eine ist der Leistungsbereich: Aus mehr Kindern sollen Spieler werden, die ihr Leben lang spielen, statt aufzuhören. Wie viele nach der D-Jugend aufhören, ist nicht sauber beziffert, dazu mehr in Kapitel 13 (Mein Kind will nicht mehr). Sichtbar ist der Schwund trotzdem: Die Zahl der A- und B-Junioren-Mannschaften im DFB ist zwischen 2006 und 2025 um fast ein Drittel gefallen, während es bei den Jahrgängen bis vierzehn mehr geworden sind.
Das andere hat mit dem Platz vor der Haustür zu tun. Dem Verband ist aufgefallen, was jedem auffällt, der für sein Kind einen Bolzplatz sucht: Es gibt kaum noch welche. Also wird versucht, das Bolzen in den Verein zu holen. Vier Tore, kleine Mannschaften, kurze Spiele, wenig Ansage. Das ist der Hinterhof.
Wie so ein Konzept bei deinem Verein ankommt
Der Weg ist länger, als man denkt, und an jeder Station geht etwas verloren. Der DFB beschreibt, wie ausgebildet werden soll. Die Landesverbände übersetzen das in Durchführungsbestimmungen und in die Inhalte ihrer Schulungen. Dort sitzt irgendwann der Vater, der eure Mannschaft übernommen hat, für ein Wochenende oder für ein paar Abende. Und dann steht er am Dienstag mit vierzehn Kindern auf einem halben Platz.
Was davon ankommt, hängt an dieser letzten Station. Es hängt daran, ob jemand die Schulung gemacht hat, ob sie gut war, ob er Zeit zum Vorbereiten hat und ob ein zweiter da ist, mit dem er die Gruppe teilen kann.
Die vier Sätze, auf die es hinausläuft
Der DFB hat das Ganze in einer Schrift zusammengefasst, die Trainingsphilosophie Deutschland heißt. Sie ist kürzer, als man erwartet, und läuft auf vier Dinge hinaus. Zu jedem steht hier, woran du es erkennst, wenn du am Dienstag am Zaun stehst.
Freude. Gespielt wird auf Tore, jedes Spiel fängt bei 0:0 an, und die Kinder entscheiden viel selbst. Woran du es erkennst: Es wird gejubelt, und zwar von mehr als zwei Kindern.
Intensität. Viel Nettospielzeit, keine Standzeiten. Der Verband nennt dafür eine Zahl: mindestens 48 Minuten pro Woche, die ein einzelnes Kind wirklich im Spiel ist, nicht die Länge der Einheit. Woran du es erkennst: Es steht keine Schlange. Wenn dein Kind wartet, während ein anderes dribbelt, ist genau das gemeint.
Wiederholung. Besser werden Kinder über viele Aktionen und über nichts sonst. Woran du es erkennst: Zähl zehn Minuten lang mit, wie oft dein Kind den Ball berührt. Weniger als fünfmal ist zu wenig, und das liegt dann nicht an deinem Kind.
Mehrere Felder gleichzeitig. Das ist die Bedingung für die anderen drei und von außen das Ungewohnteste. Woran du es erkennst: Es laufen zwei oder drei kleine Spiele nebeneinander statt eines großen, und der Trainer steht daneben, statt zu rufen.
Wenn du das nicht siehst, macht euer Trainer deshalb noch nichts falsch. Meistens heißt es, dass er allein mit vierzehn Kindern dasteht und niemand mit aufbaut. Das ist die Stelle, an der Eltern etwas ändern können und der Verband nicht.
Warum es so etwas überhaupt gibt
Ein Verband, der eine Million Kinder in Vereinen hat, kann nicht jeden Trainer ausbilden. Was er kann, ist beschreiben, worauf es ankommt, und diese Beschreibung so einfach halten, dass sie an einem Schulungswochenende ankommt.
Deshalb sind solche Konzepte kürzer und gröber, als man erwartet. Sie sagen nicht, welche Übung am Dienstag drankommt. Sie sagen, was in einem Alter im Vordergrund steht und was warten kann.
10 · Die Seitenlinie: darf ich rufen?
„Was sage ich denn nun?“ Anfeuern ja, Anweisen nein.
Der Unterschied ist einfacher, als er klingt. Anfeuern richtet sich an das Kind. Anweisen richtet sich an das Spiel. „Schön gemacht“ ist Anfeuern. „Nach links, links, spiel ab“ ist eine Anweisung, und die hat auf der Seitenlinie nichts zu suchen.
Alle Vereine und Landesverbände haben diese Grundsätze, die irgendwo stehen, dass Eltern sich zurückhalten sollen.
Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass es zum einen schmerzhaft ist, zu sehen, wenn die Kinder einfach nicht wissen, was sie tun sollen mit dem Ball.
Ein Junge steht mit dem Ball an der Außenlinie, muss den Ball einspielen, findet keine Anspielstation und steht dort dann 30 Sekunden, 50 Sekunden und schaut aufs Spielfeld. Alle Eltern und Trainer schauen das Kind an. alle denken, jetzt müsste er mal los spielen, aber der Junge wartet weiter.
In diesem Moment werden Trainer und Eltern alle sehr hektisch und versuchen dem Kind zu helfen, indem sie ihm zurufen: „Hey, der Lorenz steht frei …“. Das Kind denkt dann nochmal 10 Sekunden drüber nach. Der Gegner läuft Lorenz zu und das Kind passt zu Lorenz. Der Ball wird abgefangen und landet im eigenen Tor.
Dazu kommt, dass deine Anweisung meistens falsch ist, und das ist nicht als Vorwurf gemeint. Du stehst dreißig Meter weg und siehst das Spiel von der Seite. Dein Kind steht mittendrin und sieht etwas anderes. Wenn du „links“ rufst, ist links vielleicht schon zu.
Und selbst wenn links offen ist: Ein Sechsjähriger weiß im Laufen nicht sicher, wo links ist. Er hört seinen Namen, dreht den Kopf zu dir und verliert dabei den Ball.
Auszuhalten ist das schwer, und ich behaupte nicht, dass es mir immer gelingt. Man steht daneben, sieht sechs Kinder hinter einem Ball herlaufen, und nichts davon sieht nach dem Fußball aus, den man selbst im Kopf hat. Trotzdem gilt: An diesem einen Tag rufst du dein Kind nicht zum Erfolg. Das geht im Training, und dort geht es ohne dich.
Am deutlichsten wird es bei den Kindern, die im Spiel ein bisschen wie Falschgeld herumstehen. Deren Eltern ist das sichtlich unangenehm, und dann fangen sie an, von außen zu animieren. Ich sage ihnen dann, dass ich ihr Kind zweimal die Woche trainiere und genau weiß, dass es hier dasselbe spielt wie im Training. Zu ändern ist das im Training und nicht am Samstag. Und dass es schon viel besser geworden ist, stimmt fast immer und wird fast nie gesagt. Nimm den Druck aus dem Spieltag, dein Kind hat davon mehr als von jedem Zuruf.
Die drei Sätze, die immer gehen
- „Nächster Ball.“ Nach einem Fehler. Er bewertet nicht und zeigt nach vorn.
- „Gut hinterher.“ Für etwas, das das Kind selbst in der Hand hat, nämlich den Weg. Nicht für das Ergebnis.
- „Ja, so.“ Wenn etwas funktioniert hat. Zwei Wörter, und dein Kind weiß, dass du hingesehen hast.
Mehr braucht es nicht. Wenn du dich dabei ertappst, wie du eine vierte Sache rufen willst, ist es fast immer eine Anweisung.
Und wenn du merkst, dass du es nicht lassen kannst: Stell dich weiter weg oder auf die andere Seite. Das ist kein Scherz, sondern der einzige Rat, der bei den meisten von uns tatsächlich funktioniert.
Was die anderen Eltern machen
Sie werden rufen, und einige von ihnen werden Anweisungen rufen. Du wirst niemanden davon abbringen, und der Versuch, es am Spielfeldrand zu tun, endet sicherlich im Tumult.
Was hilft, ist ausgerechnet, es selbst nicht zu tun. Elterngruppen sind erstaunlich anfällig für Gewohnheit, und wenn drei Leute nur anfeuern, wird es an dieser Linie leiser. Wenn es das nicht wird, ist es ein Thema für den Elternabend und nicht für den Samstag.
Am Wochenende habe ich eine Oma erlebt, die sagte: Ach, die machen das aber alle ganz toll. Das beruhigt auch die anderen.
Unterschätz das nicht, es ist oft das größere Problem als das eigene Rufen. Bei den Eltern der eigenen Mannschaft redet irgendwann der Trainer, das gehört zu seiner Arbeit. Schwieriger sind die Eltern der Gegner, die ihre Kinder gewinnen sehen wollen und entsprechend anfeuern. Manchmal hilft es, sie anzusprechen: Wir sind zum Spaß hier, und ihr gewinnt ja sowieso. Manchmal hilft es nicht. Die „klassischen Fußballeltern“, die einen ganzen Tag vergiften, gibt es wirklich, und die einzige Antwort darauf ist, nicht mitzumachen.
Der Schiedsrichter
Ab der E-Jugend steht meistens einer auf dem Platz. In der F-Jugend und darunter wird ohne Schiedsrichter gespielt, das ist so vorgesehen. Wer dann pfeift, ist oft selbst fünfzehn, oder es ist der Trainer der anderen Mannschaft. Er wird Fehler machen, und einige davon werden offensichtlich sein.
Du sagst dazu nichts. Nicht, weil du unrecht hättest, sondern weil dein Kind zusieht, wie du mit jemandem umgehst, der gerade eine Entscheidung gegen dich getroffen hat.
Viele Jugendschiedsrichter hören nach kurzer Zeit wieder auf, und die häufigsten Gründe dafür sind die Eltern der Spieler.
Ein Jugendschiedsrichter steht mittendrin und ist der Einzige ohne Mannschaft. Er muss geschützt werden, und zwar von allen, die danebenstehen. Vorfälle gibt es bis in die E-Jugend hinein, samt roter Karten. In der F-Jugend habe ich das nur sehr selten erlebt, und das liegt auch daran, dass dort niemand pfeift.
Die Autofahrt danach
Der wichtigste Absatz dieses Kapitels handelt vom Auto und nicht vom Platz. Und das muss sich jetzt jeder Fußballpapa oder jede Fußballmama einmal ganz groß ausdrucken.
Wenn die Kinder nach sechs Fußballspielen und sechs gewonnenen Spielen, auf der Rückbank sitzen, macht man Folgendes bitte nicht:
Diesen einen Fehler, den das Kind in Spiel 3 gemacht hat und der zu einem Gegentor geführt hat, im Detail mit dem Kind ausdiskutieren.
Eltern machen das instinktiv. Genau das.
Auch die Frage „Hast du getroffen?“ zeigt deinem Kind, was dir wichtig ist, und beim nächsten Spieltag versucht es möglichst viele Tore zu schießen.
Der beste Einstieg ist überhaupt keine Frage. „Schön war‘s.“ Oder: „Ich hab gern zugesehen.“ oder „Ihr habt das richtig gut gemacht.“
Dann Schweigen.
Wenn nichts kommt, kommt nichts. Nach einem schlechten Spiel oder einem schlechten Spieltag schweigen Kinder lieber. Nach einem guten Spieltag bricht es aus dem Kind hundertprozentig irgendwann heraus.
Feiern darfst du also, und du darfst dafür jeden Grund nehmen: ein gutes Spiel, ein gelaufenes Spiel, überhaupt gespielt und sich bewegt zu haben. Was nicht geht, ist lästern. Nicht über den Mitspieler, nicht über den Gegner, nicht über den Schiedsrichter, auch nicht im Scherz und auch nicht, wenn dein Kind selbst damit anfängt.
11 · Wenn der Trainer schreit
Im Kinderfußball ist das Rumgebrülle leider immer noch eher die Regel als die Ausnahme!
Wer im Kinderfußball an der Linie steht, macht das eigentlich immer unbezahlt. Nach der Arbeit, neben der eigenen Familie, oft auch deshalb, weil sich sonst niemand gemeldet hat. Die Alternative zum brüllenden Trainer ist selten der bessere Trainer. Sie ist häufig gar keine Mannschaft.
Aber… Dankbarkeit hebt nichts auf. Ein Ehrenamt erklärt vielleicht einen Ton, es rechtfertigt ihn nicht. Ich finde nicht, dass Kinder diesen Ton aushalten müssen, nur weil der Trainer es umsonst macht.
Aber… Ein Verein ist kein pädagogisches Umfeld. Da steht ein Vater mit einer Kurzschulung, keine Fachkraft.
Meine Erfahrung dazu ist unbequem: Ungefähr die Hälfte der Trainer coacht lautstark von außen mit. Auch die, die sich das vor dem Spiel ausdrücklich vorgenommen hatten. Das wird sich nicht abstellen lassen, und es hilft dir mehr, damit zu rechnen, als es für einen Einzelfall zu halten.
Das ist aber alles keine leichte Situation, weder für die Kinder noch für den Trainer noch für die Eltern.
Meine Tipps habe ich hier zusammengeschrieben:
Wenn der Trainer schreit: was Eltern tun können.
12 · Wie viel ist gesund?
„Ist das zu viel?“ oder „Du hast auch noch nie was von Belastungssteuerungen gehört?“ Solche Fragen oder Sprüche hört man öfter.
Für G- und F-Jugendliche und auch E-Jugendliche ist zweimal die Woche Training plus ein Spieltag der Normalfall. Eine dritte Einheit ist nicht die Regel.
Meine Sicht darauf weicht ab, und sie hat mit dem Rechnen zu tun. Ob ein Kind zweimal, dreimal oder viermal in der Woche zum Training geht, ist selten die ganze Rechnung. Ein sportliches Kind spielt zusätzlich in jeder Pause, im Hof und vor dem Abendessen und kommt so auf sieben oder acht Einheiten in der Woche, ohne dass jemand mitzählt. Wenn man sie lässt, haben Kinder ein Pensum, bei dem Erwachsene aussteigen würden.
Das größere Problem ist allerdings die Trainingszeit. Training ist abends, nach der Schule und oft nach dem Ganztag. Die Kinder kommen müde an und haben Hunger, und beides zusammen macht sie gereizt. Im Englischen gibt es dafür ein Wort, hangry, aus hungry und angry zusammengesetzt, und es beschreibt ziemlich genau, was da um halb sechs auf dem Platz steht. Eine Kleinigkeit zu essen auf dem Weg zum Training löst mehr als eine Einheit weniger.
Und es hängt daran, wie trainiert wird. Anderthalb Stunden Funino zwei gegen zwei sind eine Intensität, die man einem Kinderfußballplatz von außen nicht ansieht. Neunzig Minuten in einer Schlange vor einem Hütchen sind keine Belastung, sondern ein ruhiger Abend.
In der F-Jugend habe ich noch keine Überlastung feststellen können. Kinder in diesem Alter regeln das selbst: Sie hören auf und legen sich hin, wenn sie nicht mehr können.
Was du eigentlich zählen solltest
Nicht die Fußballeinheiten, sondern die Woche. Zwei Trainings, ein Spieltag, Schulsport, ein Schwimmkurs und die Radtour am Sonntag sind zusammen mehr, als in der Aufzählung „zweimal Fußball“ steckt.
Das ist kein Grund, etwas davon zu streichen. Es ist der Grund, warum du dich nicht wunderst, wenn dein Kind im März müde ist. Kinder in dem Alter melden Erschöpfung selten als Erschöpfung. Sie melden sie als schlechte Laune, als Streit im Auto oder als „ich will heute nicht“.
Einmal hatten wir vormittags ein Spielfestival und ein Spieler musste etwas früher weg, um dann noch einen Tennisspieltag zu absolvieren. Abends hatten wir ein extra Training organisiert, zum Bolzen und dort kam der Spieler wieder und hat wieder mitgekickt. Sportliche Kinder gehen lange Wege. Unsportliche Kinder signalisieren die Müdigkeit.
Essen und Trinken
Wir Eltern können natürlich ein bisschen mitsteuern, was die Kinder essen und trinken. Auf den Spieltagen vor Ort wird eher ungesundes Zeugs angeboten, das der Veranstalter verkaufen möchte.
Brezel, Waffel, Süßigkeitentüten. Als Getränke gibt es immer Fanta und Co.
Bei wirklich anstrengenden Spieltagen müssen die Kinder vor dem Spieltag was Vernünftiges gegessen haben und auch in der Pause eher eine Banane statt der Süßigkeitentüte.
Mir ist komplett bewusst, wie unrealistisch das ist. Aber solche Kleinigkeiten machen dann im fünften oder sechsten Spiel den Unterschied.
Wachstumsschmerzen und Überlastung
Beides tut weh, und für dich als Elternteil ist der Unterschied nicht am Schmerz zu erkennen, sondern an seinem Muster.
Was du bemerken kannst: Schmerzen, die immer an derselben Stelle sitzen. Schmerzen, die während oder direkt nach der Belastung auftreten statt abends im Bett. Ein Kind, das anders läuft, auch wenn es nichts sagt. Und Schmerzen, die über Wochen nicht weggehen.
Wachstumsschmerzen sehen anders aus. Sie kommen typischerweise abends oder nachts, sie wechseln die Seite, und am nächsten Morgen ist nichts mehr davon zu merken.
Nichts davon ist eine Diagnose, und dieser Text stellt keine. Wenn eines der ersten Muster zutrifft, gehst du zur Kinderärztin. Das ist kein Vorsichtssatz zum Abhaken, das ist an dieser Stelle die Antwort.
Offen, Quelle: Unterscheidungsmerkmale zwischen Wachstumsschmerzen und Überlastungsbeschwerden im Kindesalter, aus einer sportmedizinischen Quelle mit Jahr. Beschreibend formulieren, nicht diagnostisch. Der Absatz oben ist bis dahin ungeprüft.
Und eine Sache, die Trainer öfter sehen als Eltern: Ein Kind, das über Wochen sagt, es habe Bauchschmerzen, hat manchmal keine. Bauchweh ist die Sprache, in der Kinder in diesem Alter alles melden, was ihnen zu viel wird, und der Fußball ist dabei nicht immer der Grund.
13 · Mein Kind will nicht mehr
„Und jetzt?“ Erst zuhören, und dann reden.
Es gibt drei häufige Gründe, aber die Kinder können sich nicht gut ausdrücken oder es im Detail erklären.
Sie sagen stattdessen: „Ich hab keine Lust.“
Wie die drei Gründe aussehen
Zu viel Druck erkennst du am Zeitpunkt. Es fängt am Freitagabend an, nicht am Dienstag. Das Kind will zum Training, aber nicht zum Spiel. Der Druck kommt dabei nicht immer vom Trainer. Er kommt oft aus dem Auto.
Kein Spaß: Kein Training und kein Spielen? Meistens steckt etwas Soziales dahinter: der Freund ist gewechselt, es hat in der Gruppe niemanden, mit dem es sich abklatscht, es wird beim Mannschaftenwählen zuletzt gerufen. Fußball ist für die meisten Kinder in erster Linie eine Gruppe.
Kein Fortschritt ist der Grund, den Eltern am seltensten vermuten und der bei den Älteren am häufigsten stimmt. Ein Neunjähriger merkt genau, dass er seit einem Jahr nicht besser wird, während zwei andere davongezogen sind. Das passiert in der Regel beim Saisonwechsel. Auch viele Trainer sieben schwächere Spieler aktiv aus.
Du bist nicht der Einzelfall
Punkt 1. Ein sehr großer Teil der Kinder, die im Grundschulalter anfangen, hört im Lauf der Jugend wieder auf. Du bist also eher der Normalfall.
Punkt 2. Im Gespräch kann man vielleicht herausarbeiten, ob man an den Gründen arbeiten kann. Eine Saison ändert sich vom Herbst über den Winter in den Frühling. Sprich die drei Themen oben offen an.
Wenn dein Kind nicht spielt
Es gibt viele verschiedene Gründe, warum Kinder nicht spielen. In der G-Jugend gibt es eigentlich fast keine Gründe, da durch die neuen Spielformen nahezu beliebig viele Mannschaften antreten können und eine Mannschaft nur aus drei Spielern besteht. Das Problem entsteht eher in der F- und der E-Jugend.
Natürlich kann man erstmal eine kleine Dokumentation aufbereiten und die Spielzeiten stoppen. Allerdings täuscht einen das Gefühl selten.
Es gibt oftmals verschiedene Gründe, warum Kinder nicht spielen oder wenig spielen.
- Die Trainer nehmen (zu) viele Kinder mit zu den Spieltagen. Es ist nicht unüblich bei fünf Kaderplätzen auch mal zehn Kinder mitzunehmen. Das halbiert natürlich die Spielzeit.
- Es gibt schlichtweg zu viele Kinder insgesamt und für diese Kinder insgesamt zu wenig Spieltage mit zu wenig Spielzeit.
- Trainer- und Betreuerkinder werden bevorzugt. Es gibt zwei Trainer, einen Betreuer und einen Best Friend eines Trainerkinds. Dann sind 4 von 5 Kaderplätzen in der F-Jugend einfach belegt.
- Trainer stellen nach Leistung auf, um Spiele zu gewinnen oder nicht zu verlieren. Häufig überschätzen Trainer die Fähigkeiten der eigenen Mannschaft. Sie werden in der Kinderrunde in einer zu starken Gruppe gemeldet. Unter dem Druck der Gegner trauen sich Trainer nicht, schwächere Kinder einzuwechseln, um nicht noch höher zu verlieren.
Streit mit dem Trainer
Wenn der Grund beim Trainer oder dem Team liegt, steht in Kapitel 11 (Wenn der Trainer schreit), was du tust.
Wechseln oder aufhören
Ein Vereinswechsel hilft, wenn das Problem am Ort liegt: die Gruppe, der Trainer, die Entfernung. Er hilft nicht, wenn das Problem am Fußball liegt. Dann hast du nur den Ort geändert, und in vier Monaten stehst du wieder da, wo du warst.
Es gibt oft im Verein alternative Mannschaften speziell in der F-Jugend und daher ist ein Wechsel in eine andere Mannschaft oft der einfachste Weg.
Aber auch einfach aufhören ist erlaubt.
Wenn ihr aufhört, hört ordentlich auf. Sag es dem Trainer selbst, nicht über den Elternchat und nicht durch Wegbleiben. Es dauert zwei Minuten und macht den Weg zurück leichter.
14 · Ist mein Kind talentiert?
„Ist mein Kind gut?“ Die Frage ist ernst gemeint und bekommt hier eine ernste Antwort, auch wenn sie unbequem ist.
Mit sechs oder sieben Jahren kann das niemand seriös beurteilen. Kein Trainer, kein Scout. Kein ehemaliger Profi. Die Kinder entwickeln sich in einem Jahr extrem.
Aber sichtbar sind Ballgefühl, Umgang mit dem Ball, Bewegungsfreude, Spielverständnis. Aber das sind alles Beobachtungen und daraus eine Prognose abzuleiten ist extrem schwer.
Ich finde allerdings, dass man das als Talent beschreiben kann und dass man solche Talente auch weiter fördern kann.
Der Geburtsmonatseffekt
Kinder, die im Winter und Frühling eines Jahres geboren wurden, haben statistisch viel größere Chancen in die Förderung des Fußballs auf Landes- und Bundesebene reinzurutschen.
Sie sind größer, sehen besser aus, bekommen daher mehr Einsatzzeit, mehr Aufmerksamkeit und natürlich auch dann die Einladungen zum Fördertraining.
Sollte dein Kind eher im November oder Dezember geboren sein und hängt im Jahrgang hinterher, hast du eine mögliche Erklärung dafür, warum dein Kind nicht so heraussticht, wie wenn es zum Beispiel im Januar geboren wäre.
Die Trainer kennen das und sie sehen auch diesen Effekt, können aber oft nichts dagegen tun, da sie auch am Samstag Spiele gewinnen wollen. Aus Sicht unserer Nationalmannschaft ist das natürlich eine Katastrophe, weil wir auf die Förderung ca. 10 Prozent unserer Talente verzichten.
Funfact: An den DFB-Stützpunkten, der breitesten Sichtungsstufe, sind bei den U12 gut 34 Prozent der ausgewählten Kinder im ersten Quartal geboren und knapp 16 Prozent im vierten. In der Bevölkerung liegt jedes Quartal bei rund 24 Prozent. In den U15-Junioren-Nationalmannschaften stehen 53 Prozent aus dem ersten Quartal gegen 7 Prozent aus dem vierten, also fast acht zu eins. Irre, oder?
Im Erwachsenenfußball verschwindet der Vorsprung weitgehend.
Die Verbände wissen davon. Im Stützpunktprogramm gibt es eine Quotenvorgabe über die Geburtshalbjahre, manche Landesverbände sichten die beiden Halbjahre an getrennten Tagen, und seit der Spielzeit 2025/26 steht das Playing Down in der Jugendordnung des DFB: Ein biologisch deutlich jüngerer Spieler darf befristet in einer tieferen Altersklasse spielen. Das gilt in der U14 und der U16 und ist in zwanzig der einundzwanzig Landesverbände umgesetzt. (Stichwort: Bio-Banding)
Sichtung und NLZ, in je einem Satz
Sichtung heißt, dass jemand vom Verband oder von einem größeren Verein zusieht und Kinder für ein zusätzliches Training auswählt. Ein Nachwuchsleistungszentrum, kurz NLZ, ist die Jugendabteilung eines Profivereins, in der ab einem bestimmten Alter systematisch ausgebildet wird.
15 · Und wenn mein Kind nicht talentiert ist?
„Und wenn nicht?“ Dann ist es wie fast alle Kinder, die Fußball spielen.
Das ist der Normalfall, und er ist nicht das Problem. Die allermeisten Kinder in einem Verein werden nie in einer Auswahl spielen. Sie spielen trotzdem zehn Jahre lang Fußball.
Dazu kommt etwas, das man erst in der Rückschau sieht: Dein Kind lernt, in einer Gruppe zu sein, in der es nicht der Beste ist. Das ist eine Erfahrung, die Kinder heute seltener machen, als man denkt, und sie ist mehr wert als jede Auswahlmannschaft.
Nochmal ein Appell an die Eltern
Der Ehrgeiz am Spielfeldrand ist häufiger der der Eltern als der des Kindes.
Man sieht es daran, wer im Auto nach dem Spieltag die Gespräche eröffnet. Ich weiß wovon ich rede, ich bin nicht nur Trainer Papa, ich bin auch Trainer Mann mit einer sehr kompetitiven Frau.
Das kommt also in den besten Familien vor, und uns auch und man sollte sich dessen bewusst sein.
Und zum Schluss noch ein Wort zu den Kindern, um die es hier eigentlich geht: Es gibt 100% welche, die im Verein bleiben, nie besonders gut werden und mit siebzehn immer noch hingehen. Manche von ihnen übernehmen mit zwanzig eine Bambini-Gruppe. In keiner Statistik taucht das als Erfolg auf. Es ist einer.
16 · Ich möchte, dass mein Kind besser wird
„Wie wird mein Kind besser?“ Eine der häufigsten unausgesprochenen Fragen in diesem ganzen Text.
Die Antwort ist eine simple Rechnung. Zwei Einheiten in der Woche sind zusammen rund zwei Stunden Sport.
Meine Meinung dazu, und sie steht hier als Meinung: Viel hilft viel.
Fußball ist in dieser Hinsicht eine lineare Sache, wer viel investiert, kommt weiter. Talent gibt es, lernbar ist aus meiner Sicht trotzdem fast alles, und bis neun sehe ich keinen Grund, warum aus einem Kind kein richtig guter Fußballer werden sollte, wenn es sich reinhaut, es selbst will und Spaß dabei hat.
Richtig gute Kinder wollen sechs bis neun Mal die Woche Fußball spielen.
Wenn du also dein Kind fördern möchtest, musst du das schaffen, dass es neunmal Fußball spielen will und ihm auch diese Möglichkeit dazu bieten. Wenn ein Kind Feuer gefangen hat und diese Weiterentwicklung spürt und auch die Erfolge kommen, dann kann so ein Sport wie Fußball auch süchtig machen.
Diese positive Spirale muss erzeugt werden.
Aber Vorsicht, nur weil das die Eltern wollen, und das Kind eben mit Aufmerksamkeit und Wohlwollen überschütten, wenn es das auch will, muss der Plan nicht aufgehen. Bei einem Kind, das im Zweifelsfall auch alleine loszieht mit Fußball, geht der Plan ganz sicher auf.
Wie du dabei bist, ohne zu trainieren
Das ist der praktische Kern, und er besteht aus vier Verboten und einem Gebot.
- Nicht korrigieren.
- Nicht zählen.
- Nicht bewerten.
- Nicht ansagen, was als Nächstes geübt wird.
- Und mitspielen statt anleiten.
Das Nicht-Korrigieren ist brutal hart. 6-7-jährige Kinder probieren und testen verrückte Dinge aus. Allen ist klar, dass es schiefgehen wird und es geht auch schief.
Was der Typ aus Kapitel 02 (Was für ein Fußballkind hast du?) daran ändert: Beim ballverrückten Kind besteht deine ganze Aufgabe darin, ihm nicht im Weg zu stehen.
Was in einem Jahr passiert
Das hängt daran, wie viel daraus tatsächlich wird, und die Spanne ist groß.
Ein Kind, das bei zehn Minuten am Tag bleibt, ist nach einem Jahr besser, aber nicht plötzlich der Beste der Mannschaft. Was sich bei ihm ändert, ist etwas anderes: Es hat mehr Situationen schon einmal gesehen. Man merkt das nicht am Tor, sondern an den Sekunden davor. Das Kind bekommt den Ball und weiß schneller, was es damit macht, und von außen ist dieser Fortschritt fast unsichtbar.
Bei einem Kind, dem die Sache wirklich Spaß macht, wird daraus etwas ganz anderes. Aus zehn Minuten werden neunzig, ohne dass jemand nachhilft: in der Pause, im Hof, vor dem Abendessen. Irgendwann fordert es das Spielen zu Hause ein, statt mitzumachen, wenn du fragst. Dann geht die Kurve steil nach oben, und man sieht es innerhalb eines Jahres.
Dazu kommt, was ganz ohne dein Zutun passiert. Kinder werden in einem Jahr reifer, kräftiger und koordinierter, und auf dem Platz merkt man das sofort. Die Weiterentwicklung ist immer eine Kombination aus Üben und Wachsen.
Privattrainer und Camps, und warum die eine Ausnahme sind
Als Ersatz für Ballzeit taugt ein Privattrainer nichts. Er gibt deinem Kind eine Stunde in der Woche mit einem Erwachsenen, der ihm sagt, was es tun soll, und davon hat ein Kind in diesem Alter schon genug.
Als zusätzlicher Reiz sieht es anders aus, und das habe ich oft genug gesehen, um es hierhin zu schreiben. Meistens sind es ehemalige Profis, und die Kinder gehen mit einer Ehrfurcht in diese Stunden, die sie am Dienstagabend nicht aufbringen. Sie hören zu. Wenn in dieser Stunde Koordination und Ballgeschicklichkeit geübt werden, bringt das etwas, und zwar gerade wegen des Respekts, den das Kind mitbringt.
Fußballcamps sind aus einem ähnlichen Grund empfehlenswert. Eine Woche mit fremden Trainern, fremden Kindern und viel Ball ist etwas anderes als das Vereinstraining, und die Kinder kommen daraus meistens mit mehr zurück als mit einem Trikot. Welche es in deiner Nähe gibt, steht im Verzeichnis der Fußballcamps.
17 · Wo du weiterliest
Drei Wege, je nachdem, warum du hier bist.
Wenn du gefragt worden bist, ob du eine Mannschaft übernimmst, geht es im Leitfaden Kinderfußball für Elterntrainer weiter. Der beantwortet die andere Hälfte: nicht was man sieht, sondern wie man es macht. Und die Frage kommt früher, als du denkst. Wer heute an der Linie steht, wird in zwei Jahren gefragt.
Wenn du einen Verein, ein Camp oder eine Fußballschule suchst, sieh ins Verzeichnis. Für die Ferien ist der Einstieg Fußballcamps, sortiert nach Ort. Camps werden früh gebucht, meistens im Januar für den Sommer, und das ist die Art von Information, die man einmal zu spät erfährt.
Und wenn dir ein Kapitel nicht gereicht hat: Zu den meisten davon entsteht ein eigener Artikel, der weiter geht als fünf Absätze. Sie stehen im Magazin, neueste zuerst.
Und wenn du bis hierher gelesen hast: Das meiste davon brauchst du nie. Der Kinderfußball ist im Alltag eine unkomplizierte Sache, bei der zweimal die Woche jemand mit einer Tasche losfährt und gut gelaunt wiederkommt. Die Kapitel oben sind für die Wochen da, in denen das nicht so ist.
Dieser Leitfaden wird zweimal im Jahr durchgegangen, im Juli und im Januar. Wenn dir etwas auffällt, das nicht stimmt, sag es. Korrekturen bleiben hier sichtbar stehen.
Anhang
Die vollständige Liste der Quellen, auf denen dieser Leitfaden steht, ist auf eine eigene Seite gewandert: Wissen. Die Begriffe des Kinderfußballs stehen einzeln erklärt unter Fußballwissen von A bis Z.
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