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Training

Regeln, Ton und Grenzen: ein Regelkatalog für die Mannschaft

Drei Regeln, drei Stufen, für alle gleich und vorher bekannt: lila Leibchen, vorsingen, Kuchen. Dazu, wann du eingreifst, was du erduldest und was am Samstag anders ist.

8 Min. Lesezeitvon

„Wie viel lasse ich durchgehen?“ Mehr, als du denkst. Aber bei dem, was du nicht durchgehen lässt, entscheidet ein Verfahren und nicht deine Tagesform: drei Regeln, drei Stufen, für alle gleich, vorher bekannt, als Aushang in der Kabine.

Das ist die lange Fassung von Kapitel 09 aus meinem Leitfaden für Elterntrainer, dem Kapitel, das ich im Alltag am häufigsten brauche.

Drei Regeln, drei Stufen

Wenige Regeln, vorher bekannt, für alle gleich, mit einer abgestuften Folge. So sieht die Fassung aus, die bei uns in der Kabine hängt und der die Kinder zugestimmt haben. Sie passt auf eine halbe Seite.

WofürStufeWas passiert
Frech werden, jemanden umtreten, jemanden beleidigen1Ein lila Leibchen anziehen
Noch einmal am selben Abend2Etwas vorsingen
Und noch einmal3Zum nächsten Training einen Kuchen mitbringen

Das lila Leibchen habe ich seit bestimmt fünf Trainings nicht mehr benutzt. Es reicht, dass es irgendwo am Platz liegt. Gesungen hat erst einer.

Warum das funktioniert

Die drei Stufen selbst sind austauschbar.

Aber sie gelten für alle gleich. Auch für dein eigenes Kind und dort sehen die anderen dreizehn am genauesten hin. Warum das schwerer ist, als es klingt, steht in Warum machst du das.

Keine Stufe beschämt. Sie sind sichtbar, aber komisch, und ein Kind im lila Leibchen ist markiert, nicht bloßgestellt. An diesem Unterschied hängt alles.

Die letzte Stufe gibt der Gruppe etwas zurück. Nach dem Kuchen ist die Sache erledigt, für alle sichtbar, und am nächsten Dienstag redet keiner mehr darüber.

Und sie ist kurz. Drei Stufen merkt sich ein Sechsjähriger. Bei sieben Regeln fragt er beim dritten Mal, welche das noch mal war.

Was nicht in den Katalog gehört

Alles Sportliche. Kein Kind zieht ein Leibchen an, weil es einen Ball verloren, einen Pass verschlagen oder ein Tor nicht verhindert hat. Ein Katalog, der Fehler bestraft, macht Kinder vorsichtig, und vorsichtige Kinder werden nicht besser. Er gilt für Verhalten, und nur dafür.

Der erste Abend: wie du ihn einführst

Am ersten Abend, im Kreis, frage ich die Kinder, wie wir das mit den Regeln handhaben wollen. In der Regel habe ich schon ein paar Ideen, die ich dann so nach und nach anmoderiere, aber erst, wenn alle zugestimmt haben, gilt der Katalog.

Beim ersten Mal: freundlich und schnell

Der Katalog steht und fällt mit dem ersten Mal, wenn er greift. Du machst es freundlich und schnell. Ein Wort, das Leibchen, weiterspielen. Kein Vortrag, keine Frage, ob es das Kind auch verstanden hat. Nach zehn Minuten redet niemand mehr darüber, und so soll es sein.

Aber sei dir sicher, dass alle Kinder es mitbekommen haben.

Was du in dem Moment nicht tust: verhandeln. „Aber der hat angefangen“ ist der Satz, der kommt, und die Antwort darauf ist: „Kann sein. Leibchen.“ Wer angefangen hat, klärst du hinterher, wenn du willst, und meistens musst du es nicht.

Es hilft auch, nicht gleich das sensibelste Kind mit einem Leibchen zu versehen.

Wo der Katalog aufhört

Ein Regelkatalog ist für den Alltag da. Bei Wiederholung über Wochen, bei etwas Ernstem oder wenn ein Kind ein anderes systematisch trifft, reden die Eltern mit und der Verein weiß Bescheid. Ein lila Leibchen ist dann die falsche Antwort.

Wer im Verein dafür zuständig ist, hast du dir vor der ersten Einheit aufgeschrieben: die Ansprechperson für Kinderschutz aus Formales zuerst. Wie sie heißt, ist von Verein zu Verein anders, Jugendwart, Jugendleiter, Ansprechperson. Was gilt, steht im Kinderschutzkonzept deines Landesverbands.

Bei uns hat aber der interne Katalog bisher immer gereicht.

Was du den Eltern sagst

Der Katalog wird, nachdem ihn die Kinder verabschiedet haben, den Eltern zum Beispiel am Elternabend vorgestellt, mit dem Zettel in der Hand, und zwar bevor das erste Kind mit der Geschichte vom lila Leibchen nach Hause kommt. Ein Sechsjähriger erzählt beim Abendessen: „Ich musste heute das lila Leibchen anziehen.“ Wenn die Mutter weiß, was das ist, ist das eine komische Geschichte. Wenn sie es nicht weiß, klingt es nach Strafe, und dann hast du am nächsten Dienstag ein Gespräch am Rand statt ein Kind im Leibchen.

Ich habe damals den Regelkatalog in der WhatsApp-Gruppe erklärt und habe auch vorher den Kindern erzählt, dass ich das den Eltern erklären werde.

Loben, ohne „aber“

Häufiger, als sich richtig anfühlt. Und ohne „aber“: Ein Lob, das mit „aber“ weitergeht, ist ein Tadel mit Anlauf, und die Kinder hören nur den zweiten Teil. Wenn dir etwas auffällt, das du korrigieren willst, sag es später und getrennt.

Es ist besser, gutes Verhalten zu loben, als schlechtes Verhalten zu kritisieren.

Und lob nicht nur Tore. Ein Kind, das zurückgelaufen ist, hat mehr getan als eines, das abgestaubt hat, und es weiß genau, ob du das gesehen hast.

Ich habe in meiner Mannschaft jetzt jede Woche zwei Trainingskapitäne ernannt, die auch helfen, die Regeln einzuhalten und zu loben.

Bevor du laut wirst

Meistens hilft vorher etwas anderes: näher hingehen, den Namen sagen, die Form ändern. Aus fünf Metern gesagt kommt derselbe Satz anders an als über den halben Platz, und die anderen dreizehn Kinder müssen ihn nicht mithören. Lautstärke wirkt beim ersten Mal und danach nicht mehr.

Wo deine eigene Grenze liegt, solltest du kennen, bevor du sie erreichst.

Erdulden: stört mich, oder schadet es

Der größte der drei Regler und der am meisten unterschätzte. Sechsjährige, die während der Ansage im Gras liegen, sind nicht respektlos. Sie sind sechs.

Erdulden heißt nicht wegsehen. Es heißt, zwischen dem zu unterscheiden, was dich stört, und dem, was schadet. Damit das nicht abstrakt bleibt, je fünf Beispiele aus meinem Training:

Stört mich, und ich erdulde esSchadet, und ich gehe hin
Grashalme zupfen während der Ansageein Kind auslachen
im Gras liegen, während ich redeumtreten, auch „aus Versehen“ zum dritten Mal
beim Übergang Hütchen umtretenein Kind nicht mitspielen lassen
den Ball festhalten, obwohl ich gepfiffen habemit dem Ball auf jemanden zielen
Zwischenrufe, Quatsch, Wörter, die ich nicht hören willjemandem etwas wegnehmen und nicht zurückgeben

Die Faustregel, die das zusammenhält: eingreifen bei Gefahr und bei Gemeinheit. Bei uns löst sich fast alles andere über die Organisation und nicht über die Ansprache. Wenn drei Kinder nicht zuhören, war die Ansage zu lang. Das ist ein Aufbauproblem, und es gehört zurück auf den Platz: Wie du ihn hinstellst, steht in Der Platz, bevor die Kinder kommen, wie lang eine Ansage sein darf, in Vierzehn Kinder, ein Platz. Es ist derselbe Satz wie bei der Warteschlange, nur für die Disziplin: erst der eigene Aufbau, dann die Kinder.

Der Abend, an dem nichts geholfen hat

Und was du nach so einem Abend machst: nichts. Nicht am selben Abend entscheiden, nicht in den Chat schreiben, nicht die Regeln ändern. Schreib zwei Zeilen auf, was passiert ist, und sieh es dir am nächsten Tag an.

Ich glaube, dass jede Regel, die ein Trainer im Ärger einführt, später wieder abgeschafft werden muss, und das kostet mehr Autorität als der Abend selbst.

Wir hatten Abende, da ging wirklich gar nichts, da haben alle Kinder durcheinander gequatscht und gelacht. Meine Autorität war null. Das Einzige, was dann hilft, ist, die Kinder, die ruhig weiterspielen wollen, zu trennen und vielleicht mit einem Co-Trainer auf einem anderen Feld ein Spiel zu starten, während die Störenfriede mit mir als Trainer zusammen über das Verhalten der Gruppe diskutieren.

Im Angesicht der spielenden Gruppe kann es dann sehr schnell gehen, und die Kinder bekommen sich ein. Aber wenn auch das nicht hilft, muss man das Training einfach pausieren. Mittlerweile bin ich routiniert genug, auch einmal zwanzig Minuten Pause zu machen und dann nochmal zu versuchen zu spielen. Überraschenderweise funktioniert das.

Der Ton am Samstag

Er ist ein anderer als am Dienstag, und das solltest du wissen, bevor es dir passiert. Am Spieltag gibt es ein Ergebnis, es gibt Zuschauer, und beides zieht an dir. Wer am Samstag jemand anderes wird, hat die Frage aus Kapitel 01 noch nicht beantwortet. Woran du es an dir bemerkst, steht im Spieltag als Trainer.

Praktisch heißt das zweierlei. Der Regelkatalog gilt auch am Spieltag, unverändert. Wer am Samstag ein anderes Maß anlegt als am Dienstag, hat keinen Katalog, sondern eine Stimmung.

Und er gilt für dich. Wenn du dich nach dem Spiel bei einem Kind entschuldigen musst, war es dein Fehler, und dann entschuldigst du dich auch, vor der Gruppe.

Was du in welchem Alter erduldest

Beide Spalten sind meine Erfahrung mit den Stufen, die ich hatte, keine Vorgabe. Für die Jüngsten gilt: Ich hatte nie eine eigene Gruppe in dem Alter, die Zeile ist eine Schätzung.

StufeDer KatalogWas du erduldest, weil es das Alter ist
3–4 Jahre (vor G)keiner. Die drei Regeln als Rituale, klatschen, stehen bleiben; keine Stufenfast alles. Ein Vierjähriger, der wegläuft, ist vier
5–6 Jahre (G, Bambini)Stufe 1 reicht meistens; Stufe 2 und 3 sind angekündigt und kommen selten vorim Gras liegen, Grashalme zupfen, den Ball festhalten
7–8 Jahre (F)alle drei Stufen, und sie werden gebrauchtZwischenrufe, Quatsch beim Übergang
9–10 Jahre (E)alle drei, und die Kinder prüfen, ob er für alle giltwenig. Hier ist die Frage eher, was du nicht mehr erduldest

Was du während des Spiels rufst und was nicht, die vier Sprachmodi, bekommt einen eigenen Artikel. Bis dahin geht es im nächsten Kapitel weiter: warum bei uns auf jedem Feld vier Tore stehen und welche Spielformen ohne Reihe auskommen, im Baukasten.

Häufige Fragen

Welche Regeln braucht eine Kindermannschaft im Training?

Drei reichen: Wenn ich klatsche, kommt ihr her. Wir hören auf, wenn jemand hinfällt. Ausgelacht wird hier niemand. Dazu drei Stufen für den Fall, dass jemand frech wird, umtritt oder beleidigt: lila Leibchen, etwas vorsingen, Kuchen zum nächsten Training.

Wann greife ich als Trainer ein, und wann nicht?

Bei Gefahr und bei Gemeinheit. Grashalme zupfen während der Ansage stört dich, das erduldest du. Ein Kind, das ein anderes auslacht, schadet, da gehst du hin. Und wenn drei Kinder nicht zuhören, war die Ansage zu lang.

Gilt der Regelkatalog auch am Spieltag?

Ja, unverändert. Wer am Samstag ein anderes Maß anlegt als am Dienstag, hat keinen Katalog mehr, sondern eine Stimmung. Und er gilt für dich: Wenn du dich bei einem Kind entschuldigen musst, tust du das vor der Gruppe.

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