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Spielfeldbegleiter: was sie tun und wer es machen kann

Bälle nachlegen, anfeuern, Schuhe binden: was ein Spielfeldbegleiter am Kleinfeld tut, wer dafür infrage kommt und wie aus zwei Trainern vier Felder werden.

10 Min. Lesezeitvon

Entwurf. Die Zahlen und Zitate zum Spielfeldbegleiter stammen aus der Trainingsphilosophie Deutschland des DFB, Fassung vom 14.10.2024. Aufsichtspflicht, Versicherung und Führungszeugnis sind am 8. September 2026 nachrecherchiert und stehen belegt im Text. Offen ist noch eine Stelle, unten gestrichelt umrandet: die beiden Kniffe für Fortgeschrittene im Einzelnen. Solange der Kasten steht, bleibt noindex gesetzt.

Ein Spielfeldbegleiter steht an einem Feld und sorgt dafür, dass gespielt wird. Er legt den nächsten Ball ein, feuert an, bindet Schuhe und geht dazwischen, wenn zwei Kinder denselben Ball wollen. Trainieren tut er nicht.

Das Wort klingt erfunden, ist es aber nicht. Es steht in der Trainingsphilosophie Deutschland des DFB, auf fünf Seiten, mit Zahlen: ein Begleiter je vier Kinder bei den Bambini, einer je sechs Spielern in der F-Jugend. Und mit dem Satz, an dem für dich alles hängt: Spielfeldbegleiter müssen „nicht zwingend einen Fußball-Background haben“.

Warum eine Gruppe überhaupt mehr Erwachsene braucht als den Trainer, steht in Kapitel 08 des Trainerleitfadens. Hier steht, was die Leute dann tun.

Was ein Spielfeldbegleiter am Feld tut

Am ausführlichsten beschreibt der DFB die Aufgabe für die Schule, und die Liste passt eins zu eins auf den Verein: Felder aufbauen, einteilen, wer wann wo spielt, die Kinder während der Spiele unterstützen, für das Umsetzen der Spielregeln sorgen, motivieren und für eine möglichst schnelle Spielfortsetzung sorgen.

Der letzte Punkt ist der wichtigste und der einzige, der ununterbrochen anfällt. In kleinen Spielformen geht der Ball dauernd ins Aus. Der Verband empfiehlt deshalb mindestens drei Bälle je Feld und schreibt dazu, wer sie holt: die Erwachsenen, „damit die Kinder sich ganz auf ihr Spiel konzentrieren können“. Der Ball im Gebüsch ist nicht die Aufgabe des Kindes, das gerade spielt.

Praktisch sind das zwei Dinge, die du vorher aufbaust. Zwischen den Toren liegt ein Balldepot, aus dem sich die Kinder selbst bedienen. Und du hast eigene Bälle dabei, damit sofort einer ins Spiel kommt, statt dass acht Kinder zusehen, wie einer hinter dem Zaun herklettert.

Dazu kommt alles, was der DFB nicht aufschreibt, weil es zu banal ist. Schuhe binden. Ein Kind trösten, das gerade das dritte Gegentor kassiert hat. Zwei auseinanderhalten, die sich um denselben Ball streiten. Sagen, dass es weitergeht. Bei den Bambini ist das die Hälfte der Arbeit, und sie fällt zuverlässig in dem Moment an, in dem der Trainer zwanzig Meter weiter steht.

Nicht schimpfen, mehr ist es nicht

Die Anforderungen sind niedrig. Wer anfeuert statt zu schimpfen, macht es richtig.

Hanno Balitsch, Mitglied des DFB-Kompetenzteams, nennt in derselben Schrift zwei Punkte, „für die keine fußballerische Vorerfahrung notwendig ist“: erstens dafür sorgen, dass immer wieder sofort ein neuer Ball ins Spiel kommt, zweitens „das Spiel stimmlich zu begleiten – und dabei dürfen wir unbedingt positiv sein und für Emotionalität sorgen“. Danach folgt der Satz, den ich am liebsten laminieren würde: „Detailcoaching ist nicht erforderlich.“

Meine eigene Fassung davon ist kürzer. „Schneller!“ geht. „Los, geh drauf!“ geht. „Nicht so!“ geht nicht, und der Name eines Kindes in scharfem Ton geht auch nicht.

Ein Erwachsener, der ein Sechsjähriges vor der Gruppe zurechtweist, richtet in dreißig Sekunden mehr an, als vier Felder in einer Stunde gutmachen. Wer unsicher ist, wo laut aufhört und anschreien anfängt, findet die Grenze ausführlich in Wenn der Trainer schreit.

Wer das machen kann

Eltern zuerst, denn sie stehen ohnehin da. Der DFB nennt sie ausdrücklich und schreibt, man müsse sie „einbeziehen“, gegebenenfalls auch gleich als Trainer.

Aus meiner Sicht ist der Kreis größer. Großeltern können das. Ältere Geschwister können das, und sie machen es oft besser als die Erwachsenen, weil sie näher am Spiel sind. Und ein Kind, das gerade nicht mitspielen kann, weil es sich den Fuß umgeknickt hat, hat auf einmal eine Aufgabe, statt eine Stunde am Rand zu sitzen.

Für den letzten Fall gibt es sogar eine Fundstelle, allerdings aus der Schule: Dort bekam jedes Team einen Rotationsspieler, „der in seiner Pause zum Spielfeldbegleiter wurde und damit für die Umsetzung der Regeln und eines fairen Spiels verantwortlich war“. Im selben Absatz steht, dass es daneben noch „übergeordnete“ Spielfeldbegleiter braucht, die aufpassen. Ein Jugendlicher an einem Feld ist also eine Hilfe und kein Ersatz für einen Erwachsenen.

Die Verbände ziehen dieselbe Linie und werden dabei genauer, als ich erwartet hätte. Die Sportjugend Hessen nennt drei Größen: Der Altersabstand zu den betreuten Kindern soll mindestens drei Jahre betragen, Jugendliche sollen sich erst als Helfer erproben, „hierfür können sie auch jünger als 14 Jahre sein“, und eine Gruppe eigenverantwortlich betreuen „möglichst erst ab 16 Jahren“. Helfen ja, allein führen nein.

Am Spieltag hört es dann ganz auf. Der Hessische Fußball-Verband schreibt in seinem Betreuerhandbuch, minderjährige Personen könnten durchaus Aufsicht führen, aber „Jugendmannschaften bei Spielen des HFV [müssen] immer durch Erwachsene betreut werden“. Die neuere Auflage nennt auch, was passiert, wenn nicht: eine Verwaltungsstrafe. Beim Fußballverband Niederrhein muss der Mannschaftsverantwortliche ebenfalls mindestens achtzehn sein.

Aufsicht, Versicherung, Führungszeugnis

Drei Fragen kommen, sobald jemand mit an den Platz kommt, der kein Trainer ist.

Die Aufsichtspflicht bleibt bei dir. Eltern übertragen sie formlos an den Verein, sobald sie ihr Kind bringen, und der Verein gibt sie an die Trainer weiter (§ 832 Abs. 2 BGB). Ein Helfer bekommt sie nicht dadurch, dass er an einem Feld steht, sondern nur, wenn der Verein sie ihm ausdrücklich überträgt. Er ist also eine zusätzliche Person am Platz, keine zusätzliche Aufsichtsperson.

Übertragen darfst du sie trotzdem, auch an anwesende Eltern. Der Landessportbund Nordrhein-Westfalen nennt dafür zwei Bedingungen: Der Vorstand prüft die Zuverlässigkeit, und es braucht eine Vereinbarung. Ein Zuruf am Spielfeldrand ist beides nicht. Was sonst noch zur Aufsichtspflicht gehört, steht in Kapitel 04 des Trainerleitfadens.

Beim Versicherungsschutz hängt alles an einem einzigen Wort. Der Sportversicherungsvertrag des Landessportbunds Hessen versichert „alle von versicherten Organisationen zur Durchführung versicherter Veranstaltungen beauftragten Helfer, auch soweit es Nichtmitglieder sind“ (Stand 1. Januar 2026); in Niedersachsen heißt dieselbe Ziffer „offiziell eingesetzten Helfer“. Gemeint ist beide Male dasselbe: Wer vom Verein beauftragt ist, ist versichert, auch ohne Vereinsmitgliedschaft. Wer nur spontan mit anfasst, ist es nicht.

Der Unterschied kostet einen Satz im Protokoll des Elternabends und sonst nichts.

Ein Führungszeugnis wiederum gibt es erst ab vierzehn (§ 30 Abs. 1 BZRG). Ob dein Verein für Helfer ohne Trainerfunktion eines verlangt, steht in keinem Gesetz: § 72a Abs. 4 SGB VIII überlässt das der Vereinbarung zwischen Verein und Jugendamt, gestaffelt nach Art, Intensität und Dauer des Kontakts zu den Kindern. Der Hessische Fußball-Verband führt die Einsicht als einen von fünf Mindeststandards, ohne auf seiner Übersichtsseite zu sagen, für wen genau.

Wie viele du brauchst

Der DFB nennt den Schlüssel für die beiden jüngsten Altersklassen und begründet ihn mit der Größe der Spielformen. Je kleiner die erlaubte Form, desto mehr Felder braucht eine Gruppe, und desto mehr Leute stehen daran.

StufeGrößte SpielformKinder je FeldEin Begleiter je
3–4 Jahrekeine eigene Altersklasse, es gilt die G-Jugend44 Kindern
5–6 · G · Bambini2 gegen 244 Kindern
7–8 · F3 plus Torwart gegen 3 plus Torwartbis 86 Spielern, ggf. plus 2 Torhüter
9–10 · E4 plus Torwart gegen 4 plus Torwartbis 10keine Zahl in der Fassung

Für eine Mannschaft mit vierzehn Kindern heißt das: drei Erwachsene in der F-Jugend, vier in der G-Jugend. Wer das zum ersten Mal liest, hält es für unrealistisch. Ist es auch, solange man nur an Trainer denkt.

Zwei Trainer und zwei Eltern ergeben vier Felder

Zwei Trainer allein bauen zwei Felder auf. Bei den Bambini spielen dort acht Kinder, der Rest steht daneben und wartet.

Dieselben zwei Trainer plus zwei Spielfeldbegleiter bauen vier Felder auf. Jetzt spielen sechzehn Kinder gleichzeitig, jedes im 2 gegen 2, jedes an einem Feld mit einem Erwachsenen daneben. Auf vier Kinder kommt ein Spielfeld.

Das ist der ganze Trick, und es ist genau die Begründung, die der DFB selbst gibt: Weil die Spielformen bei den Jüngsten ein 2 gegen 2 nicht übersteigen dürfen, brauche man „besonders viele Felder“, und dafür wolle man Eltern als Spielfeldbegleiter ins Training holen. Was das an Ballaktionen ausmacht, rechnet Kapitel 03 des Trainerleitfadens vor, mit den beiden Einschränkungen, die dort danebenstehen.

Was erfahrene Begleiter zusätzlich machen

Wer ein paar Wochen dabei ist, macht mehr, ohne dass man ihn darum bittet: Felder mit aufbauen und hinterher wieder abbauen, Leibchen verteilen und nach dem Training wieder einsammeln. Das steht in keiner Aufgabenbeschreibung, und es ist der Teil, an dem du merkst, wer bleibt.

Der Grund, aus dem die meisten wiederkommen, steht auch auf keiner Liste: Sie verbringen eine Stunde mit ihrem Kind, am selben Feld statt auf der Bank daneben. Das ist kein Nebeneffekt, den man mitnimmt, das ist für viele der eigentliche Grund.

Dazu kommen zwei Sachen, die ich benutze und die in keinem Verbandspapier stehen. Beide gehen, ohne ins Coachen zu kippen.

Die erste ist die Stelle, an der du einrollst. Du entscheidest, wo das Spiel weitergeht, und lenkst damit, ohne ein Wort zu erklären. Rollst du weit vom Tor weg ein, wird das Spiel länger. Rollst du in den Rücken der Verteidigung, wird es schnell.

Die zweite ist eine Uhr, und die bist du selbst. Zehn Sekunden laut runterzählen, und wenn die Zeit abgelaufen ist, bekommt das andere Team den Ball. Kinder verstehen das sofort, es braucht keine Erklärung, und der Druck steigt, ohne dass jemand ermahnt werden muss. In der G- und der F-Jugend hält das die Intensität oben. In der G-Jugend halte ich es für unbedenklich: Die Kinder nehmen das Zählen als Spiel und nicht als Prüfung.

Offen, Erfahrung: Die beiden Kniffe im Einzelnen. Ab welcher Stufe Patrick herunterzählt, wie oft in einer Einheit, wie die Kinder beim ersten Mal reagiert haben und was passiert ist, als es nicht funktioniert hat. Dazu die Frage, ob die zehn Sekunden eine feste Zahl sind oder mit der Feldgröße wandern.

Wie du jemanden dazu bringst, mitzukommen

Frag am Elternabend, nicht am Spielfeldrand, und frag nach einer Aufgabe statt nach Unterstützung. Kapitel 14 des Trainerleitfadens verteilt an diesem Abend vier Aufgaben: Fahrdienst, Trikots, Termine, Kasse. Das hier ist die fünfte, und sie ist die einzige, die am Platz stattfindet.

Was hilft, ist ein Satz, der die Angst wegnimmt. Du musst nichts erklären, du musst nichts vom Fußball verstehen, du stehst an einem Feld, legst Bälle ein und bist laut. Sag dazu, wie lange es dauert, so wie bei jeder anderen Aufgabe auch. Eine Stunde am Dienstag ist etwas anderes als eine Zusage auf unbestimmte Zeit.

Und das Wichtigste, weil es bei mir den Unterschied macht: Sprich die Leute einzeln an. Ein Aufruf in die Runde bringt niemanden, eine Frage an einen Einzelnen schon. Fordere ihn ruhig auf, statt nur zu fragen.

Das Argument dafür steht ohnehin am Platz: Die Eltern sitzen die ganze Zeit da und schauen zu. Wer in derselben Stunde an einem Feld steht, hat mehr davon, und die Kinder auch.

Wenn du selbst wissen willst, warum das Training so aussieht, wie es aussieht: Der DFB erklärt es in einer Stunde und kostenlos, siehe Das kostenlose E-Learning des DFB.

Häufige Fragen

Braucht ein Spielfeldbegleiter eine Lizenz oder eine Ausbildung?

Nein. Der DFB schreibt in der Trainingsphilosophie Deutschland, Spielfeldbegleiter müssten „nicht zwingend einen Fußball-Background haben“. Es gibt für die Aufgabe keine Lizenz, keine Meldung und keinen Eintrag im Spielbericht. Was dein Verein an Kinderschutz von regelmäßigen Helfern verlangt, ist eine andere Frage. Ein erweitertes Führungszeugnis gibt es ohnehin erst ab vierzehn Jahren (§ 30 Abs. 1 BZRG), und ob dein Verein für Helfer ohne Trainerfunktion eines verlangt, regelt seine Vereinbarung mit dem Jugendamt nach § 72a Abs. 4 SGB VIII.

Wie viele Spielfeldbegleiter braucht eine Mannschaft?

Der DFB nennt zwei Zahlen: bei den Bambini einen Begleiter je vier Kinder, bei den F-Junioren einen je sechs Spielern, gegebenenfalls zuzüglich zweier Torhüter. Für die E-Junioren und darüber steht keine Zahl in der Fassung. Eine F-Jugend mit vierzehn Kindern kommt damit auf drei Erwachsene, eine gleich große Bambini-Gruppe auf vier.

Kann ein älteres Kind Spielfeldbegleiter sein?

Im Training ja, am Spieltag nicht. Der DFB beschreibt einen Rotationsspieler, der in seiner Pause zum Spielfeldbegleiter wird, schreibt im selben Absatz aber, dass es daneben noch „übergeordnete“ Spielfeldbegleiter braucht, die aufpassen. Der Hessische Fußball-Verband ist an dieser Stelle eindeutig: Jugendmannschaften müssen bei Spielen des HFV „immer durch Erwachsene betreut werden“.

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