Warteschlangen im Kindertraining: was sie kosten
Zähl zehn Minuten mit, wie oft ein mittelstarkes Kind an den Ball kommt. Meistens stecken zwei Fehler dahinter, und beide löst der Aufbau, nicht die Ansprache.
9 Min. Lesezeitvon Patrick Schneider
„Woran merke ich, dass mein Training nicht gut war?“ Nicht daran, ob es ordentlich aussah. Zähl nach, wie lange ein einzelnes Kind auf seinen nächsten Ballkontakt gewartet hat. Nimm dir dafür ein mittelstarkes Kind heraus, nicht das beste und auch nicht das schwächste, und zähl zehn Minuten lang mit.
Das ist die lange Fassung von Kapitel 03 aus meinem Leitfaden für Elterntrainer. Es steht dort vor allem Praktischen, weil die erste Einheit und der Aufbau davon abhängen. Hier steht, wie du zählst, woran du Überforderung erkennst, warum die Reihe so verlockend aussieht und was du mit dem Ergebnis machst.
Zehn Minuten, ein Kind, eine Strichliste
Zehn Minuten reichen, und geprüft wird dabei deine Form, nicht das Kind.
Such dir vor dem Training ein Kind aus, eines aus der Mitte. Das beste Kind holt sich den Ball überall, das schwächste bekommt ihn nirgends, beide sagen dir wenig über die Form. Nimm die zehn Minuten mitten aus einem Block und nicht aus dem Warmkicken, da hat sowieso jedes Kind einen Ball. Und dann machst du bei jedem Ballkontakt einen Strich. Annehmen, dribbeln, schießen, wegspitzeln, alles zählt. Dazwischen schaust du auf die Uhr, wenn das Kind steht.
Die Frage unter der Strichliste ist die, die zählt: Hat das Kind länger als eine halbe Minute am Stück gewartet? Wenn ja, war die Form falsch, nicht das Kind.
Die Karte dafür passt auf eine halbe Seite, und du kannst sie dir vor dem Training auf einen Zettel schreiben:
| Die Zählkarte | Was du einträgst |
|---|---|
| Kind | nur für dich, kein Name an der Wand |
| Von bis | zehn Minuten mitten aus einem Block |
| Ballkontakte | ein Strich je Kontakt |
| Gewartet | länger als eine halbe Minute am Stück? ja oder nein |
Die Frage nach der halben Minute ist die erste der drei Fragen, die du dir nach jedem Training auf der Rückfahrt stellst. Die anderen beiden stehen in Wonach du trainierst. Die Karte hier ist das Blatt zur ersten.
Der erste Fehler: Überforderung
Zwei Fehler treten oft gemeinsam auf, und der erste ist Überforderung. Man setzt an, was man aus dem Erwachsenen- oder Jugendfußball kennt, und die Kinder können es nicht. Nicht, weil sie sich nicht anstrengen, sondern weil die Voraussetzung fehlt. Was in diesem Alter dran ist, ist etwas anderes: Koordination, Gleichgewicht, Ballgewöhnung, und viel spielen. Was in welchem Alter genau, steht in Trainingsinhalte nach Altersstufe.
Woran du Überforderung erkennst, sind drei Dinge. Die Kinder machen etwas anderes als das, was du erklärt hast. Sie machen es kurz richtig und dann nicht mehr. Oder sie machen es richtig, und es sieht trotzdem aus, als hätten sie keinen Spaß daran.
Ich habe zum Beispiel eine Übung ausprobiert mit einem Anspieler zwischen den Toren, um das Passen zu verbessern. Die Kinder haben die Übung nicht verstanden. Im Training ist dann wenig Zeit, sich etwas Neues auszudenken oder das Ganze viele Male vorzumachen, erst recht, wenn man mehrere Felder betreut. Und wenn ich so etwas ansetze und es nicht läuft, stehen oft genug die Kinder vor mir und sagen: „Patrick, können wir nicht einfach nur Fußball spielen?“ Die Übung, die du dir am Sonntag ausgedacht hast, ist am Dienstag zwölf Kindern egal.
Was ein Kind aus dem Erwachsenenfußball noch nicht kann, ist je Stufe etwas anderes. Die Tabelle nennt die Form, die neue Trainer mitbringen, und an welchem der drei Zeichen du siehst, dass sie zu früh kommt.
| Stufe | Die mitgebrachte Form, die hier scheitert | Woran du es siehst |
|---|---|---|
| 3–4 Jahre (vor G) | jede Form mit einer Regel, die man erklären muss | die Kinder spielen etwas anderes |
| 5–6 Jahre (G, Bambini) | Abspielen als Absicht, Passfolgen | der Ball wird gehalten, bis er weg ist |
| 7–8 Jahre (F) | Position halten, „bleib hinten“ | kurz richtig, dann läuft alles zum Ball |
| 9–10 Jahre (E) | Systeme, Standards, Pressing | richtig ausgeführt, und keiner hat Spaß dabei |
Der zweite Fehler: die Reihe
Der zweite Fehler ist die Warteschlange. Eine Übungsform mit einer Reihe, einem Ball und einem Trainer, der zusieht. Sechzehn Kinder, ein Ball, fünfzehn stehen. Das ist die Form, an die sich viele aus der eigenen Kindheit erinnern, und du solltest sie vermeiden.
Die Trainingsabsicht im Bild ist einfach: Die Kinder sollen aufs Tor schießen. Sie stehen in einer Reihe, dribbeln einzeln um ein Hütchen und schießen. Es sieht geordnet aus, jeder kommt dran, und wer hinten steht, wartet zwei Minuten auf drei Sekunden.
In der zweiten Fassung stehen vier kleine Felder mit je vier Mini-Toren nebeneinander, und auf jedem spielen zwei gegen zwei. Jedes Kind schießt in zehn Minuten vielfach aufs Tor, dazu kommt alles, was in der ersten Fassung fehlt: ein Gegner, eine Entscheidung, ein Tor, das verteidigt werden muss.
| Die Reihe | Vier Felder | |
|---|---|---|
| Kinder im Spiel | eines, fünfzehn stehen | alle sechzehn |
| Bälle | einer für alle | einer je Feld |
| Tore | eines | vier je Feld, notfalls Hütchentore |
| Gegner | keiner | einer |
| Entscheidung | keine, der Ablauf steht vorher fest | bei jedem Ball: dribbeln, abgeben, welches Tor |
| Wer wartet | wer hinten steht, zwei Minuten auf drei Sekunden | wer trinkt |
| Aufbau | ein Hütchen, ein Tor | vier Felder abstecken, fünf Minuten |
Beide Bilder zeigen denselben Platz und dieselbe Absicht. Der Unterschied ist der Aufbau, und er ist in fünf Minuten gemacht: vier Felder abstecken statt einer Reihe, Mini-Tore statt eines großen Tors, ein Ball je Feld statt eines für alle. Welche Formen auf so einem Feld laufen und warum auf jedem vier Tore stehen, steht im Baukasten.
Was der DFB dazu rechnet
Denselben Unterschied rechnet der Verband vor, nur für zwei Spielformen. In der Trainingsphilosophie Deutschland steht auf Seite 9 eine Tabelle unter der Überschrift „Wiederholungszahlen“, und sie legt eine Einheit mit 32 Minuten Nettospielzeit je Spieler zugrunde.
| Je Kind und Einheit | 3 gegen 3 | 7 gegen 7 |
|---|---|---|
| Ballaktionen | 200 | 50 |
| Zweikämpfe | 100 | 30 |
| Torschüsse | 25 | 5 |
Der DFB vergleicht dort zwei Spielformen miteinander, drei gegen drei und sieben gegen sieben, keine Reihe mit einem Kleinfeld. Und die Tabelle nennt keine Erhebung, aus der die Zahlen stammen; sie sind glatt und stehen als Rechnung des Verbands da. Als Position des DFB kannst du sie zitieren, als Messung nicht. Für deine eigene Reihe und dein eigenes Kleinfeld gibt es nur eine Zahl, die trägt, und die stammt von deiner Strichliste.
Warum die Reihe so verlockend aussieht
Nicht aus Dummheit. Eine Reihe sieht nach Training aus. Sie sieht ordentlich aus, sie ist leise, und sie ist am ersten Abend das Einzige, was du kontrollieren kannst. Vier gleichzeitig laufende Kleinfelder sehen nach Chaos aus und fühlen sich auch so an. Aber nur am Anfang.
Und es hängt am Aufbau. Wer die Felder vorher aufbaut, muss während des Trainings nichts mehr ordnen. Wer nichts aufgebaut hat, greift zur Reihe, weil ihm nichts anderes übrig bleibt: Ein Hütchen und ein Tor stehen in dreißig Sekunden, vier Felder nicht. Deshalb steht bei mir das Aufbauen vor allem anderen, und wie das in einer halben Stunde geht, steht in Der Platz, bevor die Kinder kommen.
Mein Tipp
Wenn etwas nicht funktioniert, ist die erste Frage nicht, was mit den Kindern los ist, sondern was du aufgebaut hast.
Die Kinder kannst du nicht ändern, den Aufbau schon. Der Satz kommt in diesem Leitfaden noch öfter vor, bei den Regeln und am Spieltag, und dort wird er nicht neu begründet, sondern angewendet.
Aber er hat eine Grenze, und die gehört dazu, sonst zermürbt er dich. Nicht alles ist dein Fehler. Eine Mannschaft, die in der falschen Leistungsklasse gemeldet ist, ist keine Trainingsfrage. Ein Kind, das aus Gründen außerhalb des Platzes nicht mitmacht, wird von keiner besseren Spielform erreicht. Der Satz gilt für das, was auf dem Platz passiert, und dort hilft er dir weiter, weil es die eine Frage ist, mit der sich am nächsten Dienstag etwas anfangen lässt.
Was du mit dem Ergebnis machst
Sieh dir dein eigenes Training an und frag dich, ob es eher wie das erste oder wie das zweite Bild aussieht. Wenn die Strichliste kurz ist und die halbe Minute überschritten war, änderst du nicht die Ansprache, sondern den Aufbau: ein zweites Feld, ein zweiter Ball, ein zweites Tor. Wie du die Gruppe dabei zusammenhältst, ohne dass aus vier Feldern vier Baustellen werden, steht in Vierzehn Kinder, ein Platz. Dort geht es mit der Wartezeit weiter, denn sie bleibt dein Gegner, auch wenn du nichts falsch machst.
Die Eltern am Rand sehen übrigens dasselbe, nur von außen. Woran sie erkennen sollen, ob ein Training so läuft, steht in Kapitel 09 des Elternleitfadens. Es ist die Sicht der Leute, die dir am Samstag zusehen, und sie zu kennen hilft am Elternabend.
Bevor du zum ersten Mal aufbaust, ist noch etwas zu erledigen, das mit dem Platz nichts zu tun hat: Führungszeugnis, Aufsichtspflicht, Versicherung. Das steht im nächsten Kapitel: Formales zuerst.
Quelle zu den Wiederholungszahlen: Deutscher Fußball-Bund, Trainingsphilosophie Deutschland. Entwicklung individueller Qualität, Fassung vom 14. Oktober 2024, Seite 9, Tabelle „Wiederholungszahlen“, abgerufen am 7. September 2026. Die Tabelle vergleicht 3-gegen-3- mit 7-gegen-7-Varianten bei 32 Minuten Nettospielzeit je Spieler und nennt keine Erhebung. Die Gegenüberstellung Reihe gegen Felder und die Tabelle nach Altersstufe beschreiben den Aufbau und die drei Zeichen aus dem Text; gezählte Ballkontakte je Kind stehen hier nicht, die zählst du mit der Karte selbst.
Häufige Fragen
Woran merke ich, dass mein Kindertraining nicht gut war?
Nicht daran, ob es ordentlich aussah. Nimm dir ein mittelstarkes Kind heraus und zähl zehn Minuten lang mit, wie oft es den Ball berührt und wie lange es dazwischen wartet. Wenn es länger als eine halbe Minute am Stück gestanden hat, war die Form falsch, nicht das Kind.
Warum stehen Kinder im Training so oft in einer Reihe?
Weil eine Reihe nach Training aussieht. Sie ist leise, sie ist ordentlich, und sie ist am ersten Abend das Einzige, was du kontrollieren kannst. Vier kleine Felder nebeneinander sehen nach Chaos aus und fühlen sich auch so an. Aber nur am Anfang.
Wie viele Ballkontakte hat ein Kind im Training?
Der DFB rechnet in der Trainingsphilosophie Deutschland für eine Einheit mit 32 Minuten Nettospielzeit vor: rund 200 Ballaktionen je Kind in 3-gegen-3-Formen, rund 50 in 7-gegen-7-Formen. Das vergleicht zwei Spielformen, keine Reihe mit einem Kleinfeld, und hinter den Zahlen steht keine Erhebung. Für dein eigenes Training zählst du selbst.
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