Und wenn mein Kind nicht talentiert ist?
Kein Auswahlkader, und trotzdem zehn Jahre Fußball: was dein Kind davon hat, woran du merkst, dass die Mannschaft nicht passt, und wessen Ehrgeiz das ist.
4 Min. Lesezeitvon Patrick Schneider
„Die anderen werden zum Fördertraining eingeladen, meins nicht. Ist das jetzt vorbei?“ Dann geht es deinem Kind wie den allermeisten Kindern in meiner Mannschaft, und das ist der Normalfall. Sie werden nie in einer Auswahl spielen, und sie spielen trotzdem zehn Jahre lang Fußball. Der Normalfall ist nicht das Problem, für das man ihn hält.
Ob man mit sieben überhaupt sehen kann, was aus einem Kind wird, ist Kapitel 14 des Leitfadens: Ist mein Kind talentiert? Die kurze Antwort dort: Das kann niemand seriös, kein Trainer, kein Scout. Das hier ist Kapitel 15 des Elternleitfadens in lang.
Was dein Kind davon hat
Was Fußball Kindern gibt, steht so oder ähnlich auf jeder Vereinsseite: Teamgeist, Disziplin, Durchhalten. Das sind Wörter aus einem Leitbild. Am Platz sieht es anders aus, und ich versuche es mit vier Bildern.
Zwei Kinder, die auf dem Weg zum Platz reden und toben, und auf dem Rückweg auch. Diese Gruppe kommt nicht aus dem Klassenzimmer und nicht aus der Nachbarschaft. Für das Kind, das wegen der Freunde hingeht, ist sie der ganze Grund.
Dann der Dienstag, an dem es losfährt, egal was in der Schule war. Zweimal die Woche etwas, das nichts mit der Familie und nichts mit der Schule zu tun hat, mit eigenen Leuten und eigenen Regeln.
Anderthalb Stunden draußen, im November, im Regen, ohne dass es muss. Sieh dir dein Kind danach im Auto an. Nass, rot im Gesicht, ruhig.
Und das Verlieren. Ein Spielfest hat viele kurze Spiele an einem Vormittag, ohne Tabelle. Trotzdem weiß jedes Kind, wie es ausgegangen ist. Sechsmal verlieren, und beim siebten Spiel steht es wieder auf dem Feld.
Dein Kind lernt dabei, in einer Gruppe zu Hause zu sein, in der es nicht der Beste ist. Ich glaube, das machen Kinder heute seltener, als man denkt.
Woran du merkst, dass die Mannschaft nicht mehr passt
Bis zur F-Jugend gibt es nichts, woran ein Kind als „nicht talentiert“ zu erkennen wäre: kein Kader, keine Bank, kein Ergebnis, das irgendwo steht, ein Spielfest, bei dem nach jedem Tor gewechselt wird. Mit sieben oder acht sieht man zum ersten Mal, wer davonzieht. Die Sichtung für die NLZ und den DFB-Stützpunkt fängt aber regulär erst mit der U12 an (DFB, Elternbroschüre zum Talentförderprogramm, nachgesehen am 28.08.2026). Bei einem Kind unter acht ist die Frage dein Gefühl, mehr noch nicht.
Ab der E-Jugend stellt sie sich wirklich. Da kommt der Ligabetrieb, in vielen Vereinen eine zweite Mannschaft, ein Fördertraining, zu dem manche eingeladen werden und manche nicht, und die Nachbarn erzählen davon. Jetzt passiert es dann:
- Die Einsatzzeit: Dein Kind sitzt öfter, als es spielt, und das eine ganze Rückrunde lang. Wie du das zählst und was du dem Trainer dann sagst, steht in einem eigenen Artikel zu den Einsatzzeiten.
- Die Rolle: Es ist das Kind, das die Hütchen trägt, das bei „wählt eure Mannschaften“ übrig bleibt und dem im Spiel niemand den Ball gibt. Das ist der Platz in der Gruppe, und der hat mit der Leistung wenig zu tun.
- Die Stimmung: Es redet auf dem Hinweg nicht mehr. Es will zum Training, aber nicht zum Spieltag, und irgendwann fragt es, ob es „wenigstens einmal“ spielen darf. Wenn daraus schon ein „ich will nicht mehr“ geworden ist, steht die Unterscheidung der drei Gründe in Kapitel 13: Mein Kind will nicht mehr.
Was dann geht
Die Reihenfolge ist nach dem sortiert, was sich wieder rückgängig machen lässt. Zuerst eine andere Mannschaft im selben Verein, und die ist der eigentliche Kniff: In der F-Jugend gibt es sie oft, meistens einen Jahrgang tiefer, sie kostet keine Freigabe, keinen Abschied und keine neue Anfahrt, und wenn es dort nicht passt, geht dein Kind wieder zurück. Ab der E-Jugend die zweite Mannschaft, wenn der Verein eine hat. Und erst dann der andere Verein.
Was davon bei euch existiert, ist von Ort zu Ort sehr verschieden. Ob es eine zweite Mannschaft oder eine Freizeitgruppe gibt, weiß meistens der Jugendleiter. Viele Vereine werben mit Breitensport, aber in der Regel sind die Trainer auf Leistung aus. Und ob ein Wechsel überhaupt die richtige Frage ist, hängt daran, ob das Problem am Ort liegt oder am Fußball.
Wessen Ehrgeiz das ist
Der Ehrgeiz am Spielfeldrand ist häufiger der der Eltern als der des Kindes. Man sieht es daran, wer im Auto nach dem Spieltag die Gespräche eröffnet.
Ob der Wunsch, dass dein Kind besser wird, deiner ist oder seiner, erkennst du an drei Anzeichen. Die stehen in Kapitel 16, Fußball üben zu Hause, weil dort direkt danach die Frage kommt, was du dann tust.
Und zum Schluss noch ein Wort zu den Kindern, um die es hier eigentlich geht. Es wird Kinder geben, die im Verein bleiben, nie besonders gut werden und mit siebzehn immer noch hingehen. Manche von ihnen übernehmen mit zwanzig eine Bambini-Gruppe. In keiner Statistik taucht das als Erfolg auf. Es ist aber einer in meinen Augen.
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